14.08.1998

Microsoft, das Monopol

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Microsoft, das Monopol

DER Reichtum von Bill Gates ist schwindelerregend: Als Chef und Hauptaktionär der US-amerikanischen Firma Microsoft besitzt er, der Rangordnung in der Juliausgabe des Magazins Forbes zufolge, mehr als 50 Milliarden Dollar. Und der Konzern Microsoft repräsentiert das viertgrößte Unternehmensvermögen der Welt.

Die Profitraten von Microsoft beruhen nicht auf außergewöhnlichen technischen Fähigkeiten, sondern auf einem Mechanismus, der wie eine weltweite Steuer auf Computerausrüstung wirkt. Es ist ein ganz einfaches Prinzip: Die Hersteller von Computern, Druckern, Software etc. benötigen eine gemeinsame Grundausstattung, um Produkte anbieten zu können, die miteinander kompatibel sind. Und darüber hinaus wollen Millionen Nutzer in der Lage sein, problemlos Dokumente auszutauschen.

Die Strategie von Microsoft bestand seit seiner Zusammenarbeit mit IBM 1981 darin, Informatikelemente anzubieten, die diesen Austausch erlauben, und sie zu „Marktstandards“ zu machen. Wenn der Markt sie nicht umstandslos akzeptierte, wurden sie notfalls auch aufgezwungen. Deshalb strengten die US-Regierung und zwanzig Bundesstaaten am 18. Mai 1998 gegen Microsoft einen Prozeß an, genauer gegen die „wettbewerbsfeindlichen und ausschließenden Praktiken, die darauf zielen, sein Monopol auf die Anwendersysteme der PCs zu festigen und es auf die Zugangssoftware des Internet auszuweiten“. Microsoft war mit seiner Strategie bislang deshalb so erfolgreich, weil zahlreiche Produkte wie MS-Dos, Word, Excel, Windows etc. weltweit fast 90 Prozent des Markts beherrschen.1

NEU ist, daß die Presse die Klagen der Anwender wiedergibt: Die Programme von Microsoft seien „langsam“, so heißt es, sie „fressen immer mehr Speicherplatz“ (im Speicher und auf der Festplatte) und seien „voller Fehler“; auch raten zahlreiche Computerhersteller ihren Kunden, mit der Installierung von Windows 98 noch zu warten, da es inkompatibel sei. Jeder andere Softwareproduzent wäre von der Konkurrenz längst niedergewalzt worden, aber Microsoft hat sich technisch und juristisch abgesichert: Die Anwender, die Daten mit Microsoft- Software erstellt haben, können sie mit anderen Programmen oft nicht lesen, da diese sonst das Copyright von Microsoft verletzen würden.2

Der Prozeß, der für Microsoft mit einer ähnlichen Niederlage enden könnte wie 1982 für die Telefongesellschaft AT&T, hat schon jetzt dazu beigetragen, der Öffentlichkeit die Augen zu öffnen. Die Entwicklung von anderen, offenen Standards ist im Vormarsch begriffen.3 In Frankreich plant das Erziehungsministerium, mit der „Frankophonen Vereinigung der Anwender von freier Software“ (AFUL) ein Abkommen abzuschließen.4 Die Unternehmen, die bis vor sechs Monaten die Tatsache verheimlichten, daß sie mit frei zugänglicher Software arbeiteten, schlachten dies nun in ihrer Werbung aus und werden dabei von Schwergewichten wie IBM, Netscape und Oracle unterstützt – aber auch durch den Erfolg des Films „Titanic“, dessen Spezialeffekte mit dieser Art Software hergestellt wurden.

PHILIPPE RIVIÈRE

Fußnoten: 1 vgl. Ralph Nader und James Love, „Surfen auf den Erfindungen der Konkurrenz“, Le Monde diplomatique, November 1997. 2 Roberto Di Cosmo, Forscher an der École Normale Supérieure von Paris, hat darauf in seinem Artikel „Piège dans le cyberespace“ hingewiesen, Multimédium, Quebec, 17. März 1998, Internet- Adresse: http://www.mmedium.com/dossiers/ Piege/. 3 Vgl. Bernard Lang, „Freie Software für alle!“, Le Monde diplomatique, Januar 1998. 4 Le Monde informatique, 2. Juli 1998, und http:// www.aful.org/.

Le Monde diplomatique vom 14.08.1998, von PHILIPPE RIVIÈRE