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Kasten: Die Partei Gottes

Die Partei Gottes

Die schiitische Hisbollah („Partei Gottes“) wurde 1982 nach der Invasion des Südlibanon durch die israelische Armee gegründet. Offiziell deklarierte sie ihre Existenz allerdings erst 1985 durch einen offenen Brief, in dem sie ihre Ziele darlegte und sich zur Avantgarde des Widerstands gegen Israel und die Vereinigten Staaten erklärte.

In ihrer Doppelrolle als politische Partei und bewaffnete Miliz bekennt sich die Hisbollah zu Ajatollah Chomeini, dem Führer der islamischen Revolution im Iran. Chomeini hatte zusammen mit dem 2010 verstorbenen Muhammad Hussein Fadlallah, dem geistigen Führer der Hisbollah, im irakischen Nadschaf studiert, einer der heiligen Stätten der Schiiten.

Die Partei unterhält ein weit gespanntes Solidaritätsnetz mit Schulen, Krankenhäusern und Vereinen, das ihr ein Fundament in der zuvor marginalisierten schiitischen Gemeinschaft des Libanon geschaffen hat. Vom Iran wird die Hisbollah mit Geld, Waffen und militärischen Ausbildern unterstützt. Ihre Miliz kämpfte im Südlibanon gegen die israelische Besatzung und begann mit dem syrischen Regime zu kooperieren.

Der Prozess der „Libanonisierung“ der Hisbollah begann nach dem Abkommen von Taif von 1989, das den Bürgerkrieg beendete. Die Partei gab ihr Ziel der ­Errichtung eines islamischen Staats auf und beteiligte sich 1992 auf Beschluss ihres neuen Chefs Hassan Nasrallah erstmals an Wahlen. Gleichzeitig behielt sie ihre militärischen Strukturen bei, während alle anderen Milizen des Bürgerkriegs einer Entwaffnung zustimmten.

Als am 14. Februar 2005 der libanesische Exministerpräsident Rafik al-Hariri in Beirut ermordet wurde, fiel der Verdacht auf Damaskus und die Hisbollah. Das führte zur Schwächung der Organisation und zu einer Spaltung der libanesischen Gesellschaft. Am 8. März 2005 ­brachte die Hisbollah gemeinsam mit ihren schiitischen und christlichen ­Verbündeten Hunderttausende Anhänger auf die ­Straße. Sechs Tage später ­mobilisierten die sunnitischen, drusischen und syrienfeindlichen christlichen Parteien ihren Anhang. Es war der Auftakt zur „Zedernrevolution“, die bis Ende April die seit 1976 im Libanon stationierten syrischen Truppen zum Abzug zwang.

Das ermöglichte eine politische Einigung und die Bildung einer breiten Koalitionsregierung unter Einschluss von zwei Ministern der Hisbollah. Die konnte ihre Position dank der israelischen Militäroffensive im Sommer 2006 erneut stärken. Mit ihren Erfolgen gegen die israelische Armee legitimierte sie ihre autonome militärische Rolle und ihre Weigerung, sich entwaffnen zu lassen.

Le Monde diplomatique vom 07.04.2016,