Fortsetzung in der Ukraine

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Infokasten II zu Schauplatz Balkan

Fortsetzung in der Ukraine

von Jean-Arnault Dérens und Laurent Geslin

Ist der Krieg im Donbass die Fortsetzung eines unterbrochenen Spiels, das auf dem Balkan begonnen hat? Kroatische Kämpfer erklärten gegenüber heimischen Medien, dass sie hofften, in der Ukraine gegen die Freiwilligen aus Serbien an­treten zu dürfen. Als wären sie darauf aus, den Krieg der 1990er Jahre fortzuführen.

Die meisten der Ukraine-Fahrer aus Kroatien kämpfen in dem ultranationalistischen Freiwilligenbataillon „Regiment Asow“, so auch Denis Seler, ehemals Anführer der extremistischen Fans von Dinamo Zagreb, die sich „Bad Blue Boys“ nennen. Für ihn ist die Ukraine „die letzte Bas­tion der christlichen Rechten in Europa“ (ukrainiancrusade.blogspot.de).

Wie die Belgrader Behörden mitteilten, kämpfen in der Ostukraine auch mehre Dutzend Serben, vor allem in den Reihen der Milizen der „Volksrepubliken Donezk und Lugansk“, wie die Deutsche Welle berichtet.

Die vielen Freischärler wollen sich für die Dienste der russischen Freiwilligen revanchieren, die im Jugoslawienkrieg an der Seite der Serben gekämpft haben. Das gilt etwa für Igor Strelkow, der von Mai bis August 2014 „Verteidigungsminister“ der Volksrepublik Donezk war und früher angeblich dem russischen Militärnachrichtendienst (GRU) angehörte. Strelkow hat seine militärische Ausbildung, wie er selbst erzählt, 1992 und 1993 in Serbien absolviert.

Aleksandar Savic, genannt „Svab“, erläutert gern und ausführlich die zahllosen Tätowierungen, die seine Arme und seine Brust zieren: Abbilder orthodoxer Heiliger, das Konterfei des Serbenfüh- rers Radovan Karadzic, diverse Kreuze und serbische wie russische Nationalsymbole.

„Svab“ ist Chef des serbischen Ablegers der militanten russischen Biker „Nachtwölfe“. Anfang März 2014 war die Truppe auf der Krim dabei: „Wir hatten an der Strecke Balaklawa–Sewastopol Stellung bezogen und waren dafür verantwortlich, die Sicherheit in dieser Zone zu garantieren.“ Mindestens drei Mitglieder der Gruppe wurden aus der serbischen Gendarmerie entlassen, weil sie an den Kämpfen in der Ukraine beteiligt waren.

Die Serben, die im Donbass kämpfen, sind in einer „Husaren“-Brigade zusammengefasst, die von dem ehemaligen serbischen Fernsehmoderator Radomi Pocuca ins Leben gerufen wurde. Im April 2014 wurde Pocuca seiner Funk­tion als Sprecher der Antiterroreinheit (PTJ) des serbischen Innenministeriums enthoben, nachdem er Hooligans dazu aufgerufen hatte, Mitglieder der antifaschistisch-feministischen Belgrader Gruppe „Frauen in Schwarz“ anzugreifen.

Le Monde diplomatique vom 09.07.2015, von Jean-Arnault Dérens und Laurent Geslin