Artikel

Artikel drucken zurück

Ursachen der Stromknappheit

Venezuela erlebt derzeit eine Wasser- und eine Energiekrise, die sich in regelmäßiger Stromrationierung äußert. Die Regierung ist für Planungs- und Wartungsfehler verantwortlich, sagen Experten und die Opposition – sie habe das Desaster durch mangelnde Investitionen in den Energiesektor verschuldet.

Für die Versorgung der einzelnen Regionen mit Strom sind in der Tat die staatlichen Energieunternehmen zuständig, darunter EDC (Electricidad de Caracas, seit 2007 verstaatlicht1 ), Cadafe, Enelco und Edelca. Am 8. Februar erklärte Präsident Hugo Chávez für zwei Monate einen „Energienotstand“. Seitdem sind die Bevölkerung wie die Industrie gezwungen, ihren Stromverbrauch zu reduzieren.

Wirtschaftswachstum, Rückgang der Armut und Ausbau der Infrastruktur sind die Faktoren, die den verstärkten Energiebedarf der letzten sieben Jahren erklären. Hinzu kommt die längste Dürreperiode seit 1947, die auf den Klimawandel und El Niño zurückgeht: Drei Viertel des Landes werden von Wasserkraftwerken versorgt. Und die produzieren zu wenig Strom, weil der Wasserstand in den Stauseen wegen der um 25 Prozent verminderten Niederschläge dramatisch gesunken ist.

Wie Alí Rodríguez Araque, der erst vor kurzem an die Spitze des neuen Energieministeriums berufen wurde, versichert, wurde „innerhalb der letzten zehn Jahre so viel wie nie zuvor in der demokratischen Geschichte des Landes in die Energieversorgung investiert“.2

Araques Vorgänger hatten noch mit Unterstützung des IWF und der Weltbank den Bau vier neuer Staudämme geplant, was die Abhängigkeit des Landes von klimatischen Veränderungen weiter erhöht hätte. Jetzt will die Regierung die Kapazität für die Stromerzeugung bis zum Jahr 2015 verdoppeln. Dazu will sie etwa 15 Milliarden Dollar in Schweröl- oder Kohlekraftwerke, aber auch in Windkraft und andere alternative Energiequellen investieren.

Maurice Lemoine

Fußnoten: 1 EDC gehörte zuvor zu 82 Prozent dem US-amerikanischen Multi AES Corp. 2 www.vtv.gob.ve/noticias-ciencia-y-salud/29386.

Le Monde diplomatique vom 09.04.2010,