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Vom Kongo ... nach Kabul

1960–1963: Im ehemals belgischen Kongo unterstützen belgische und französische Söldner die sezessionistischen Rebellen der Bergbauprovinz Katanga.

17. April 1961: Vom US-Geheimdienst CIA rekrutierte Söldner versuchen, in Kuba einzumarschieren, und scheitern in der Schweinebucht.

1964–1967: Über 800 Söldner werden zur Speerspitze der Kongolesischen Nationalen Armee. Ein von General Mobutu 1967 angeordnetes Massaker an Söldnern und Katanga-Gendarmen sowie die Entführung ihres Chefs Tschombé lösen einen Aufstand aus.

1967–1970: Einige Söldner, unter anderem der Deutsche Rolf Steiner, kämpfen in Biafra, das sich von Nigeria losgesagt hat.

1960–1975: Der bekannteste aller französischen Söldner, Robert „Bob“ Denard, wird in Gabun, Rhodesien, Kongo-Kinshasa, Iran, Jemen und Angola gesichtet. 1975 verhilft er in den Komoren, einer pazifischen Inselrepublik, seinem Auftraggeber Ali Soilih zur Macht.

1977: Ein UN-Bericht macht Marokko und Gabun für den versuchten Staatsstreich in Benin verantwortlich.

1977: Die Organisation der Afrikanischen Einheit verabschiedet eine Konvention über die Beseitigung des Söldnertums in Afrika, die 1985 in Kraft tritt.

1978: Denard unterstützt den Staatsstreich Ahmed Abdallahs gegen Ali Soilih. Er bildet die 600 Mann starke Präsidentengarde, die unter Leitung europäischer Söldner den regulären Streitkräften Konkurrenz macht.

1989: Bei einem Gespräch mit Denard wird der komorische Staatspräsident Abdallah getötet. Denard wird von französischen Fallschirmjägern nach Südafrika ausgeflogen.

1989: Die UN-Vollversammlung verabschiedet die Internationale Konvention gegen den Einsatz, die Finanzierung und die Ausbildung von Söldnern. Das von 22 Staaten ratifizierte Übereinkommen tritt erst 2001 in Kraft.

1992–1997: In den Nachfolgestaaten Jugoslawiens kämpfen auf kroatischer Seite Engländer, Franzosen und Polen, auf serbischer Seite Rumänen, Russen und russische Kosaken. Muslime, die aus Afghanistan kamen, unterstützen die Bosnier. Politische, nicht finanzielle Motive dominierten.

1990–2004: Die Gründung privater Militärunternehmen nimmt rasant zu. Der Markt für private Sicherheitsdienstleistungen wächst rasch auf 100 Milliarden Dollar jährlich.

1992: Die südafrikanische Söldnerfirma Executive Outcomes erhält von fünf Ölgesellschaften ihren ersten Auftrag.

1992: Das zairische Regime will mit 97 Millionen Dollar 140 angolanische „Techniker“ für die Spezialeinheit des Präsidenten (DSP) rekrutieren.

1993: Executive Outcomes bildet in Angola Soldaten aus und bewacht dort Ölfelder.

1993: In Kolumbien nimmt die Söldnerfirma DynCorp ihre Tätigkeit auf.

1994: Frankreich schickt während und nach dem Völkermord Söldnertruppen nach Ruanda, obwohl dies ein internationales Embargo untersagt.

1994: Die Regierung Sierra Leones fordert die Hilfe von Executive Outcomes an und bezahlt mit Diamanten.

1995: Auf den Komoren stürzt eine Söldnertruppe Denards Staatspräsidenten Said Mohammed Djohar.

1996: Serbische Söldner versuchen mit Zustimmung Frankreichs, das Mobutu-Regime in Kongo-Kinshasa zu retten.

1996: Executive Outcomes führt in Sierra Leone eine Operation zur Rettung von bedrohten UN-Beobachtern durch.

1997: Tod von Jacques Foccart. Der „Monsieur Afrique“ im Élysée-Palast gilt als Auftraggeber der meisten französischen Söldneroperationen.

1997: Die zairische Regierung fordert die Unterstützung mehrerer Söldnerfirmen an, um den Vormarsch ruandischer und ugandischer Truppen zu stoppen.

1997: Die Regierung Papua-Neuguineas klagt Tim Spicer von der britischen Söldnerfirma Sandline International wegen versuchten Staatsstreichs an.

1997: Unter Umgehung des Kongresses beauftragt das US-Außenministerium die Firma MPRI im Rahmen der African Crisis Response Initiative (ACRI) mit der Bildung einer afrikanischen Truppe für friedenserhaltende Maßnahmen.

1998: Das südafrikanische Parlament verabschiedet den Regulation Foreign Military Assistance Act, der das Söldnerwesen verbietet.

1999: In Paris werden Denard, inzwischen 70, und seine Offiziere vom Vorwurf der Ermordung des komorischen Präsidenten Ahmed Abdallah im Jahr 1989 freigesprochen.

1999: Frankreich entsendet zur Unterstützung der Milizen von Präsident Sassou Nguesso Verstärkung nach Kongo-Brazzaville.

2001: Französische Söldner halten sich in Zaire und in der Elfenbeinküste auf.

2002: Die französischen Behörden verhindern den Flug eines Dutzend französischer und osteuropäischer Söldner nach Madagaskar.

2003: Französische Söldner sind in der Elfenbeinküste aktiv.

2003: Die französische Nationalversammlung verabschiedet das Söldnergesetz, das die Rekrutierung und die Tätigkeit als Söldner unter Strafe stellt.

2003: Der mit Haftbefehl des Internationalen Sondergerichts in Freetown/ Sierra Leone gesuchte Söldner Sam Bockarie wird in der liberianischen Hauptstadt Monrovia ermordet.

2003: Auf der Grundlage des südafrikanischen Gesetzes von 1998 wird der französischstämmige Südafrikaner Richard Rouget wegen Söldneranwerbung in der Elfenbeinküste zu einer Geldbuße und einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt.

2003–2004: An den bewaffneten Auseinandersetzungen in der Elfenbeinküste sollen auch Söldner beteiligt gewesen sein.

2003–2004: Für den Irak erhalten private Militärunternehmen aus Großbritannien und den USA Aufträge in Höhe von 4 Milliarden Dollar.

2004: In Tansania werden zwölf Söldner auf dem Weg nach Madagaskar verhaftet.

2004: Das Pentagon verlangt vom Kongress die Bewilligung von 500 Millionen Dollar zum Aufbau eines weltweiten Netzes von „befreundeten Milizen“, um Terroristen in „nichtregierten“ Zonen dingfest zu machen.

2004: Mark Thatcher, Sohn der ehemaligen britischen Premierministerin Margaret Thatcher, wird in Südafrika verhaftet. Ihm wird die Mitfinanzierung des gescheiterten Staatsstreichs in Äquatorialguinea 2004 vorgeworfen.

2004: Drei amerikanische Kopfgeldjäger werden in Kabul zu Haftstrafen zwischen acht und zehn Jahren verurteilt. Sie hatten in einem Privatgefängnis illegal afghanische Staatsbürger festgehalten und gefoltert.

Le Monde diplomatique vom 12.11.2004,