12.04.2001

Doug Aitken

zurück

Doug Aitken

„Be sharp“, lautet der erste Satz der Videoinstallation „I am in you“ des kalifornischen Künstlers Doug Aitken (geb. 1968). „You have got to run as fast as you can, all your life. You can’t stop.“ Das Mädchen, das da in Weichzeichner-Gelb-Rot in einem dunklen Raum von drei Seiten überlebensgroß den Zuschauer anspricht, sitzt wenig später – dem kindlichen Klatschspiel hingegeben – im Auto, schwimmt dann auf dem Wasser und wird am Ende im Bett eines Fertighauses davongefahren. Nicht einmal im Schlaf bleibt man in der heutigen Zeit an Ort und Stelle. Dazwischen eine Kerze, die unmerklich niederbrennt und hochsymbolisch, wie Kerzen so sind, von Kontemplation und Endlichkeit kündet. Und dazwischen: ein U-Bahnsteig, der auf den Betrachter von drei Seiten zurast.

Geschwindigkeit ist Doug Aitkens zentrales Thema: Seine begehbaren Videoinstallationen leben von der Spannung zwischen Langsamkeit und Schnelle. In vielen seiner früheren Installationen präsentierte sich die Welt als Ansammlung eigentümlicher Un-Orte: In „Electric Earth“ sieht man urbane Wastelands und dazwischen einen breakdancenden Jungen, dessen Körper im Tempo der Außenwelt aufgeht. „Das ist das einzige Stück Jetzt, das ich bekommen kann“, sagt er.

Zwei biografische Details dürften seine Kunst geprägt haben. Da ist zum einen die Tatsache, dass Aitken als Kind einmal beinahe ertrunken wäre: „Man könnte sich“, schreibt der Kunstkurator Francesco Bonami, „seine ganze Arbeit als eine Art Ertrinken vorstellen.“ Da ist zum zweiten die Tatsache, dass Aitken früher Videoclips für Musiker wie Fatboy Slim produzierte. Die Bild- und Tonsprache des Kommerzes hat Eingang in seine Kunst gefunden. Hier hat er die Freiheit, wie er sagt, Fragen zu stellen und Konzepte, die er im Medienbereich verwendet hat, auf die Spitze zu treiben. M.L.K.

Le Monde diplomatique vom 12.04.2001, von M.L.K.