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Die Konfliktparteien

1. Die Rebellen: Der Friedensvertrag, den eine ihrer Fraktionen am 5. Mai 2006 in Abuja (Nigeria) mit der Regierung unterschrieb, hat die Bewegung gespalten. Sie besteht heute aus folgenden Gruppen:

– Sudanesische Befreiungsbewegung/Abdel Wahid al-Nur (SLM-AWN), die größte der drei Fraktionen der SLM unter Führung des „Gründervaters“ Abdel Wahid al-Nur. Sie nennt sich auch SLA (Sudanese Liberation Army) und rekrutiert sich aus dem Volk der Fur. Sie operiert vorwiegend im Dschebel Marra im Zentrum Darfurs.

– Die Sudanesische Befreiungsbewegung/Minni Minnawi (SLM-MM) hat sich Ende 2005 von der alten SLM abgespalten. Sie rekrutiert sich vorwiegend aus dem Volk der Zaghawa, dem ihr Führer Minnawi angehört. Sie hat als einzige Gruppierung den Friedensvertrag von Abuja unterzeichnet. Minnawi wurde daraufhin als Präsidentenberater für Darfur nach Khartum berufen. Seitdem sind allerdings viele ihrer Kämpfer desertiert.

– Die Sudanesische Befreiungsbewegung/Al-Ichtiar al-Hurr (SLM-Free Will) repräsentiert kleine schwarzafrikanische Stämme (die Tunjur und Daju) in Darfur. Ihr Führer ist Abderrahman Mussa, der in Abuja noch als Sprecher der SLM-AWN aufgetreten war. Im Juni 2006 schloss er sich mit seinen Anhängern nachträglich dem Friedensvertrag an – mehr aus Not als aus Überzeugung: Die winzigen Ethnien litten sehr unter dem Krieg, ohne Zugang zu den internationalen Flüchtlingslagern zu finden. Mussa wurde Staatsminister, die Stämme warten bis heute auf die versprochene Hilfe.

– Die Gruppe der 19 (G 19) besteht aus Anhängern von 19 Feldkommandanten, die sich aus den Fraktionskämpfen heraushalten. In der Praxis arbeitet die G 19 mit der NRF (siehe unten) zusammen.

– Die Volksstreitkräfte (PFT) sind die erste nicht schwarzafrikanische Widerstandsgruppe. Sie rekrutiert sich aus Mitgliedern des arabischen Risaigat-Stammes und operiert im Süden von Darfur.

– Die Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit (JEM) von Chalil Ibrahim genießt wegen ihrer engen Beziehungen zu einer oppositionellen Fraktion der Muslimbrüder unter Hassan Turabi einen zweifelhaften Ruf. Auch ihr Verhältnis zum Regime von Präsident Déby im Tschad ist unklar. Dank der Finanzierung durch die Muslimbrüder hat sie innerhalb der Rebellenbewegung (vor allem der NRF) mehr Einfluss, als es ihrer militärischen Stärke entspricht.

– Die Nationale Rettungsfront (NRF) entstand im Juni 2006 unter Führung des Exgouverneurs von Darfur, Ahmed Ibrahim Diraige (Fur) und des Intellektuellen Scharif Harir (Zaghawa) als Dachverband von Gruppen, die den „Frieden“ von Abuja ablehnen. Angriffe der NRF auf Regierungsbasen in Nordkordofan (der Nachbarprovinz Darfurs) nahm Khartum im Juli 2006 zum Vorwand, seine Truppen in Darfur zu verstärken.

2. Die Janjaweed: Der Name dieser Milizen, die sich angeblich aus „arabischen Stämmen“ in Darfur rekrutieren, wird unterschiedlich interpretiert. Meist wird seine Bedeutung als „Reiterhorden mit Gewehren“ umschrieben. Die Janjaweed sind keine straff organisierte „Bewegung“, eher ein loser Verband von Banditen und Hilfstruppen der sudanesischen Armee.

3. Idris Déby Itno, Präsident des Tschad: Seit Beginn der Auseinandersetzungen sind mehr als 200 000 Menschen aus Darfur in den benachbarten Tschad geflohen. Das Regime in N’Djamena unterstellt dem Sudan, einen bewaffneten Aufstand zu fördern, der seit mehr als einem Jahr die Machthaber im Tschad bedroht. Khartum wiederum beschuldigt den Tschad, die sudanesische Opposition zu unterstützen. Noch 2003 hatte Präsident Déby für seinen sudanesischen Amtskollegen Baschir einen Waffenstillstand mit der SLA in Darfur vermittelt, der sich allerdings als wenig tragfähig erwies.

Le Monde diplomatique vom 09.03.2007,