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Archivtext vom 9.7.2010

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Der Unfall

Als am 20. April die "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko in Brand geriet, hinkte BP dem Zeitplan hinterher. Die Plattform hätte bereits am 8. März auf einem anderen Tiefsee-Ölfeld mit der nächsten Bohrung beginnen sollen. Allein durch die Leasinggebühren kostete die Verzögerung das Unternehmen 21 Millionen Dollar.

Um weitere Kosten zu vermeiden, beschloss BP, die Sicherheitsvorkehrungen für die Zementabdichtung des Ansaugrohrs abzukürzen. Zwei Tage vor der Gasexplosion hatte der Branchendienstleister Halliburton, der mit den Zementarbeiten beauftragt war, noch empfohlen, vor der Versiegelung 21 Stützen für das Ansaugrohr zu installieren. Ansonsten drohe ein "ernsthaftes Problem", weil aus den Ritzen zwischen Rohr und Gestein Gas entweichen kann, wenn das Ansaugrohr nicht zentriert steht. BP ignorierte diese Warnung und verbaute nur sechs der "centralizers".

Die Zementversiegelung ist ein zentraler Sicherheitsaspekt bei Tiefseebohrungen: Laut einer Studie von 2007, die die Aufsichtsbehörde für Offshore-Ölbohrungen Minerals Management Service (MMS) in Auftrag gegeben hatte, war die mangelhafte Zementierung bei 18 von 39 Gasexplosionen in den letzten 14 Jahren im Golf von Mexiko der kritische Punkt.

Henry A. Waxman, Vorsitzender des Energie- und Handelsausschusses des US-Repräsentantenhauses, hatte sich direkt bei Halliburton erkundigt: "Vor, während und nach den Zementierungsarbeiten müssen Kohlenwasserstoffe in das Bohrloch eingedrungen sein, die aber unentdeckt blieben. Irgendwo gab es einen Riss in der Bohrhülle." Bereits die ersten Drucktests seien "unbefriedigend" und "unvollständig" gewesen, hatte James Dupree, der BP-Vizechef für den Golf von Mexiko, vor dem Kongressausschuss zugegeben.

Trotz der beunruhigenden Befunde beschloss BP weiterzumachen wie geplant, und die Arbeiter ersetzten den Bohrschlamm im Rohr durch leichteres Meerwasser. Zu diesem Zeitpunkt trat bereits Gas aus. Zwei Stunden später kam es zur Explosion, und die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA nahm ihren Lauf.

Le Monde diplomatique Nr. 9234 vom 9.7.2010, Seite 8, 64 Dokumentation

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