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Klos für die Welt

Lösungen für das globale Abwasserproblem von Maggie Black

Es war vor gut 150 Jahren. Der außergewöhnlich heiße Sommer 1858 hatte den Wasserstand der Themse so stark abgesenkt, dass diese sich wie eine wahre Kloake durch das Londoner Stadtgebiet zog. Schuld am „Great Stink“ war eine populär gewordene Neuerung in den Wohnungen: Die Einführung von häuslichen „Wasserklosetts“ (WC) hatte zur Folge, dass immer mehr ungereinigte Abwässer in den Fluss gespült wurden. Der Gestank war widerwärtig, das Parlament konnte in seinem an der Themse gelegenen Palace of Westminster kaum noch tagen, und im nahen Gerichtsviertel mussten die Prozesse häufig vorzeitig abgebrochen werden. In London brach damals wie in vielen anderen europäischen Städten regelmäßig die Cholera aus, von der man Mitte des 19. Jahrhunderts noch annahm, dass sie von einer durch die Luft schwebenden Substanz namens „Miasma“ übertragen würde.

Die Angst vor ansteckenden Krankheiten hatte erheblichen Einfluss auf die Parlamentarier, unter deren Fenstern sich die Themse vorbeiwälzte. Mit dem „Great Stink“ in der Nase bewilligten sie im Eilverfahren die sagenhafte Summe von drei Millionen Pfund für ein neues Abwassersystem in London. Zudem gründeten sie eine neue Behörde für städtische Arbeiten: den Metropolitan Board of Works unter Leitung von Chefingenieur Sir Joseph Bazalgette, dem erstmals die Zuständigkeit für alle Stadtbezirke übertragen wurde.

Dieser entscheidende Schritt leitete – zusammen mit den Gesetzen zum staatlichen Gesundheitswesen und der Gemeindereform – die Revolution der öffentlichen Hygienepolitik ein, die nicht auf Großbritannien beschränkt blieb, sondern sich in allen Industrieländern Europas und Nordamerikas durchsetzte. Das liberale Prinzip des Laissez-faire, erklärte damals ein Kommentator der London Illustrated News, sei in allen Handelsangelegenheiten ein ausgezeichneter Grundsatz. „Doch bei der Produktion von Giftstoffen kann niemand hinnehmen, dass das Prinzip des Laissez-faire gilt, wenn wir von politischen Idioten einmal absehen.“

In der heutigen, durch CO2-Emissionen und Umweltverschmutzung bedrohten Welt erhitzen die Gesundheitsgefahren, die von den Exkrementen einer rasant angewachsenen städtischen Bevölkerung ausgehen, die Gemüter längst nicht mehr so stark wie früher. Schließlich hat die industrialisierte Welt ihre Errungenschaften auch genutzt, um ihre Umgebung sauberer und hygienischer zu machen. Die Entwicklungsländer liegen auf diesem Gebiet zwar noch im Rückstand, aber insgesamt haben die verbesserten Kenntnisse über Krankheitserreger die Angst vor den „schlechten Lüften“ (mala aria) gemildert, die jahrhundertelang mehr oder weniger gleichbedeutend mit Epidemien waren.

Der Schmutz und das Elend in den Randgebieten und zum Teil auch in den Zentren der rapide wachsenden Städte und Metropolen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas galten schon nicht mehr als allzu bedrohlich. Hinzu kam, dass die medizinische Infrastruktur in vielen Ländern hinreichend entwickelt war, um den Ausbruch von Cholera und anderen Epidemien zu verhindern oder wenigstens ihre Ausbreitung einzudämmen. Das änderte sich erst wieder mit der beschleunigten Urbanisierung.

Da in den armen Ländern heute große Teile der Stadtbevölkerung in Slums, Townships, Bidonvilles und Favelas leben, sorgt man sich neuerdings wieder um die sanitären Defizite. Denn die sind großenteils für die schmutzigen, unwürdigen und gesundheitsgefährdenden Lebensverhältnisse verantwortlich, unter denen inzwischen rund eine Milliarde städtischer Slumbewohner leiden.1

Bevor die Toilette mit Wasserspülung im Lauf des 19. Jahrhundert ihren Siegeszug antrat, waren Trockenklosetts mit Sickergrube und kompakter Fäkalienentsorgung das Übliche. In der Öffentlichkeit und bei den Politikern hat sich nun die Vorstellung festgesetzt, dass das Problem der sanitären Versorgung ein für alle Mal gelöst sei, wenn sämtliche Haushalte über fließend Wasser verfügen. Der unbestreitbar bestehende Zusammenhang zwischen bestimmten Krankheiten und Fäkalien geriet damit in Vergessenheit.

Stattdessen wurde es üblich, Durchfall und andere durch Schmutz verursachte Infektionskrankheiten auf verdrecktes Wasser zurückzuführen.

Das erklärt auch, warum die Haushalte heutzutage ihre Gebühren oft nur für die Versorgung mit Wasser und den Anschluss ans Wasserleitungsnetz bezahlen. Das Wort Abwasser wird lieber vermieden, fast so, als gäbe es gar keine Abwasserrohre. Darüber spricht man nicht – offenbar weder in vornehmer Gesellschaft noch in der Politik und unter den politischen Entscheidungsträgern.

In manchen Regionen der dritten Welt sind die Flüsse, die durch Städte fließen, heute genauso trübe und zähflüssig wie die Themse, der Rhein und die Seine im Europa des 19. Jahrhunderts, weil auch sie die ungeklärten Abwässer der an den Ufern lebenden Menschen nicht verkraften. Doch diese „Stinkgewässer“ lösen nicht mehr dieselben Ängste aus wie früher, und solange sie fernab der Stadtzentren mit den schicken Hotels und Touristenattraktionen liegen, gilt wieder das Prinzip des Laissez-faire.

Die Folge ist, dass heute immer noch 40 Prozent der Weltbevölkerung oder 2,6 Milliarden Menschen ohne saubere und geregelte Entsorgung ihrer Fäkalien auskommen müssen. Das bedeutet für sie nicht nur die tägliche mühsame Suche nach einem „stillen Örtchen“, sondern auch gesundheitliche Risiken, die einen globalen, jedoch weithin verschwiegenen Skandal darstellen. Diese Menschen haben weder eine Toilette (mit oder ohne Spülung), noch sind ihre Wohnungen an ein Abwassersystem angeschlossen. Und auch wenn sie ein Sitzklo über einer Sickergrube oder einen septischen Tank benutzen, gibt es keine regelmäßige Entsorgung durch Tankfahrzeuge, die die Fäkalien zu einer öffentlichen Deponie transportieren, wie es in entwickelten Ländern für einzelne, abgelegene Häuser vorgeschrieben ist.

Aber auch in den Städten Asiens, Afrikas und Lateinamerikas, in denen es WCs und ein Abwassersystem gibt, landen etwa 90 Prozent der menschlichen Fäkalien ungeklärt in den Flüssen – mit katastrophalen Folgen für die Flora und Fauna dieser Gewässer und natürlich für die Gesundheit der Anwohner. Denn die baden häufig in den Flüssen, waschen dort sich und ihre Kleider oder entnehmen Trinkwasser für sich selbst und ihre Tiere. Fließende Gewässer sind zwar ideal für die Absorption und Entsorgung von Abfällen und Abwässern, aber sie transportieren und verbreiten auch Giftstoffe und Krankheitserreger, einschließlich der Milliarden Bakterien, die sich auch in geringen Spuren von Exkrementen noch finden.

Nehmen wir das Beispiel Indien. Um das Wasser des Ganges reinigen zu können, der seit Jahrzehnten durch giftige Industrieabwässer und ungeklärte Haushaltsabflüsse verdreckt wird, hat die Regierung in Delhi bei der Weltbank ein fünfjähriges Darlehen über fast eine Milliarde Dollar beantragt.2 Aber selbst wenn es gelingen sollte, entlang des ganzen Flusses genug Kläranlagen zu bauen und sie auch sachgemäß zu betreiben, ist es bei einer solchen Rieseninvestition eine vergebliche Hoffnung, jemals alle armen Siedlungen und Häuser an das Kanalisationssystem anschließen zu können.

Die Menschen ohne Zugang zu sanitären Anlagen leben fast ausnahmslos entweder in den wuchernden Slums am Rand der Städte (30 Prozent) oder auf dem Land (70 Prozent) in ärmlichen Behausungen aus Lehmziegeln. Welche Möglichkeiten haben sie angesichts solcher Wohnverhältnisse, ihre dringendsten Bedürfnisse zu verrichten? Die vorherrschende Methode in den ländlichen Regionen der Entwicklungsländer ist die „Sitzung im Freien“: Man wartet, bis es dunkel wird, und geht dann aufs freie Feld. Vor allem Frauen müssen darauf achten, dass niemand sie bei ihren körperlichen Verrichtungen beobachtet, weil sie sonst ihren Ruf verlieren. Oft gibt es deshalb eine eigens für Frauen reservierte Stelle. Wo das nicht der Fall ist, suchen sie einen vor Blicken geschützten Ort im Wald oder im Busch. Aber das wird in unserer dicht besiedelten Welt immer schwieriger. Hinzu kommt, dass vor allem nachts gewalttätige oder sexuelle Übergriffe drohen. Frauen leiden auch viel häufiger an Blasenentzündungen und anderen Beschwerden, weil sie ihren Harndrang ständig unterdrücken müssen.

Wenn es wie beispielsweise in Städten keine Toiletten gibt oder wenn Kinder zu schüchtern oder alte Frauen zu schwach oder krank sind, um sich ins Freie zu wagen, müssen sie einen Eimer benutzen, der dann im Schutz der Dunkelheit in einen Gulli oder einen Kanal gekippt wird. Oder sie müssen sich über einem ausgebreiteten Stück Papier oder einer Plastiktüte niederhocken, die anschließend in eine Müllgrube wandert, in der Hunde oder Schweine herumwühlen. Diese Schmutzpakete werden vielerorts als „fliegende Toiletten“ bezeichnet.

So primitiv diese Methoden der Beseitigung von Exkrementen auch erscheinen mögen, auf dem Land zieht man sie den kleinen, stinkenden Klohäuschen bei weitem vor. Kein Wunder, dass in vielen ländlichen Gemeinschaften die Idee eines Toilettenhäuschens auf Widerstand stößt – die Leute empfinden es als eine absurde Glorifizierung, den Exkrementen auch noch ein eigenes Häuschen zu errichten. Sie geben sich im Gegenteil alle Mühe, die stinkenden Haufen möglichst weit von ihrem Wohnbereich entfernt zu platzieren. Zudem vertraute man früher immer auch auf die zersetzende Wirkung von Sonne und Wind sowie auf die reinigende Wirkung der Flussläufe oder auch, am Meer, der Wellen.

In einer immer dichter bevölkerten Welt ist die „Sitzung im Freien“ allerdings nur noch in abgelegenen und dünn besiedelten Gegenden eine sichere Methode. Heute fangen sich Millionen Menschen alle möglichen Krankheiten durch Kontakt mit Exkrementen ein, die auf Feldern, Pfaden und Wegen oder an den Ufern von Meeren, Seen, Kanälen und Flüssen hinterlassen wurden. Dabei werden die Erreger über Füße, Hände, Nahrungsmittel, Ess- und Trinkgeräte oder auch Kleider und Stoffe übertragen, oder durch versehentlich geschlucktes Wasser, wenn etwa Kinder in Seen und Tümpeln planschen oder Frauen ihre Wäsche waschen.

Jedes Jahr sterben etwa 1,5 Millionen Kleinkinder an Durchfallinfektionen. Viele weitere Millionen kleine und größere Kinder haben regelmäßig Fieberattacken oder chronischen Durchfall, können deshalb nicht zur Schule gehen oder bekommen Wachstumsstörungen. Dann müssen sich die Mütter um sie kümmern und verlieren viel Zeit, und die Ausgaben für Medikamente belasten das Familieneinkommen. Noch häufiger sind Infektionen durch Parasiten, die man sich einfängt, wenn man mit nackten Füßen in einen Haufen tritt. Schätzungen zufolge kommt es mehr als 130 Millionen Mal pro Jahr zu derartigen Ansteckungen. Auf diesem Wege verbreitet sich zum Beispiel eine Spulwurmart (Ascaris lumbricoides), die sich im Magen einnistet. Bei Kindern kann sie bis zu einem Drittel der aufgenommenen Nahrung aufzehren und häufig auch noch zu Asthma führen. Manche in extremer Armut lebende Kinder schleppen tausend solcher Parasiten gleichzeitig mit sich herum.

Im Hinblick auf das öffentliche Wohl sind die gesundheitlichen Risiken, die von solchen sanitären Verhältnissen ausgehen, natürlich das gravierendere Problem. Aus individueller Perspektive jedoch geht es bei der Toilette mit Wasserspülung weniger um Hygiene als um den alltäglichen, privaten Komfort. Angesichts der rasanten Urbanisierung wird es für die Menschen immer schwieriger, ihren Verrichtungen diskret und ungestört nachzugehen, sofern sie dafür keinen gesonderten Raum haben. Das Bedürfnis nach Toiletten nimmt also auch bei den ärmsten Bevölkerungsgruppen zu. Noch stärker ist es bei Leuten, die gerade dabei sind, sich vom unteren Ende der sozialen Leiter ein Stückchen hochzuarbeiten. Ähnlich wie der Fernseher ist auch die Toilette für viele arme Behausungen ein Zeichen der begehrten Modernität. Das Bedürfnis nach einem Badezimmer oder wenigstens einer Dusche – samt funktionierender Abwasserentsorgung – löst also eine Nachfrage nach „häuslichem Komfort“ aus, die der in Europa vor mehr als hundert Jahren nicht unähnlich ist. Mit einem wichtigen Unterschied: In den Entwicklungsländern fehlt heute sowohl das Engagement des Staats als auch das nötige Geld.

Auch auf dem Gebiet der Entwicklungshilfe ist dabei einiges versäumt worden. Bis vor kurzem haben die Geberländer und -organisationen das Abwasserproblem – im Vergleich zur Versorgung mit sauberem Trinkwasser – fast völlig ignoriert. Einer fundierten Schätzung zufolge fließt dreizehnmal so viel Entwicklungshilfe in die Wasserversorgung wie in sanitäre Projekte. Und selbst wo von kombinierten Wasser- und Abwasserprogrammen die Rede ist, bleibt der zweite Teil meist nur Ornament: Nach konkreten Summen für Hygiene-Erziehung, für die Subventionierung von Toiletten oder von Anlagen zur Abwasser- und Fäkalienentsorgung wird man vergeblich suchen. Auch in den im Jahr 2000 von den Vereinten Nationen beschlossenen Millenniumszielen kam das Wort Abwasserentsorgung nicht vor. Erst 2002 auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg gelang es, einen Zusatz zu verabschieden, der für das Thema Abwasser dasselbe Ziel wie für die Versorgung mit sauberem Trinkwasser formuliert: Demnach soll der Anteil der Menschen, die ohne sanitäre Grundversorgung leben, bis 2015 gegenüber dem Stand von 1990 halbiert werden.

In absoluten Zahlen ist dieses Ziel – zumindest vom Ergebnis her betrachtet – jedoch nicht sonderlich ehrgeizig. Denn weltweit sind diejenigen, die ohne Abwasserentsorgung auskommen, viel mehr als die Menschen ohne Zugang zu sauberem Wasser. Selbst wenn das formulierte Ziel erreicht würde – was inzwischen als äußerst unwahrscheinlich gilt –, blieben immer noch 1,8 Milliarden Menschen (das Bevölkerungswachstum bis 2015 eingerechnet) ohne Abwassersystem. Die sanitären Fortschritte sind so schleppend vorangekommen, dass die Vereinten Nationen das Jahr 2008 zum International Year of Sanitation (IYS) ausgerufen haben, um auf die weltweite Krise auf diesem Gebiet aufmerksam zu machen.

Das hat immerhin einiges in Bewegung gebracht, jedenfalls im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren. Vor allem unterscheiden die verantwortlichen Politiker in ihren Köpfen mittlerweile zwischen Wasserversorgung und Abwasserproblem. Endlich, muss man sagen, denn in weiten Teilen der Welt besagt das Vorhandensein eines Wasserhahns in den Haushalten überhaupt nichts darüber, ob und wie die Abwässer und Fäkalien entsorgt werden. In den Armutsvierteln würde keine Toilette allein durch fließend Wasser schon zu einem Wasserklosett – dafür fehlt einfach die Infrastruktur. Weder die Menschen noch die Behörden könnten sich die erforderlichen Investitionen für die Abwasserleitungen und -kanäle, geschweige denn für die Klärung und Entsorgung der Abwässer und Fäkalien leisten.

Ein weiteres Problem ist der akute Wasserstress – wie Fachleute den zunehmenden Wassermangel nennen – in vielen Ländern Afrikas und des Nahen und Mittleren Ostens, aber auch in Indien und China. Schon deshalb wäre ein universelles, am Vorbild der industrialisierten Länder orientiertes Abwassersystem von vornherein zum Scheitern verurteilt. Für Fortschritte an der sanitären Front käme es insofern zunächst auf die Entwicklung alternativer Technologien an. Diese müssten erstens billiger, zweitens leichter zu installieren und drittens einfacher zu warten sein als die üblichen Systeme, bei denen Leitungswasser zur WC-Spülung benutzt wird.

Es bleibt also noch viel zu tun, und zwar auf internationaler, nationaler und insbesondere lokaler Ebene, wo die Gefahren und Beschwerlichkeiten, die von ungeklärten Abwässern und fehlender Entsorgung ausgehen, unmittelbar zu spüren sind. Das neue Augenmerk auf diese lange vernachlässigte Problematik hat nicht nur pädagogische und technologische Fortschritte gebracht, sondern auch zu der Einsicht geführt, dass die Situation in mancher Hinsicht noch schlimmer ist als angenommen. Jüngste Untersuchungen zeigen, dass viele Städte und Metropolen in der Dritten Welt die Zahlen, die sie zum Thema Wasser melden, schönen. In den Statistiken sind die Bewohner „illegaler“ Siedlungen nicht mitgezählt. Der Prozentsatz der dort an die (mehr oder weniger notdürftigen) Wasser- und Abwassernetze angeschlossenen Bevölkerung ist damit zu hoch angesetzt.

Auch in anderer Hinsicht stimmen die Statistiken nicht: Viele Länder haben sich zum Beispiel aus Sorge um ihr Image angewöhnt, die Zahl der Cholerafälle gewissermaßen nach unten zu korrigieren. Das ist nicht allzu schwierig, weil die Opfer dieser Krankheit in vielen Fällen anonym bleiben. Statt die Statistiken zu schönen, wäre es auch im Kampf gegen die „Schmutzkrankheit“ unserer Tage hilfreicher, in kostengünstige Alternativen zu investieren und beim Thema Klärung und Beseitigung von Abwässern nicht länger die Nase zu rümpfen.

Fußnoten: 1 Ein aufschlussreiches Beispiel ist die jüngste Cholera-Epidemie in Sambia, wo 7 000 Erkrankungen und 162 Tote registriert wurden, ein Drittel davon allein in der Hauptstadt Lusaka. Die Regierung reagierte mit einem Aufklärungsprogramm in den Schulen und im Fernsehen sowie mit öffentlichen Konzerten. Siehe Times of Zambia, 27. Oktober 2009. 2 BBC News, 3. Dezember 2009.

Aus dem Englischen von Niels Kadritzke

Maggie Black ist Autorin (zusammen mit Ben Fawcett) von „The Last Taboo: Opening the Door on the Global Sanitation Crisis“, London (Earthscan) 2008.

Le Monde diplomatique vom 12.02.2010,