Le Monde diplomatique
Abonnieren Sie unseren Newsletter, Ihre E-Mail:

Der Fleischatlas 2014
Daten und Fakten über Tiere als Nahrungsmittel. Kostenloser Download

NEU: Die aktuelle Ausgabe im tazshop Die nächste Ausgabe von LE MONDE diplomatique liegt am 12.9.2014 der taz bei. Ab dem 11.9.2014 gibt es sie separat am Kiosk oder im tazshop

Ausgabe vom 10.11.2006

Übersicht    Voriger Artikel   Nächster Artikel

Reagan und GE - eine Symbiose

1952 war im Leben des Schauspielers Ronald Reagan ein bedeutsames Jahr: Zum einen heiratete er Nancy Davis, zum anderen nahm General Electric ihn für ein damals unglaubliches Jahresgehalt von 125 000 Dollar unter Vertrag. GE-Chef Ralph J. Cordiner suchte damals einen Mann, der dem soeben dezentralisierten "corporate citizen" General Electric Gesicht und Stimme verleihen könnte.

Anfangs hatte Ronald Reagan einige Vorbehalte gegenüber dem Fernsehen, befürchtete er doch, das neue Medium könnte Hollywood ruinieren. Aber er brauchte das Geld. In einem Werbespot öffnet Ronald Reagan eine Vitrine, in der sich ein Fernsehgerät befindet. Nancy Reagan sagt ganz aufgeregt: "Wenn wir in unserem neuen Heim ein wenig Ablenkung wollen …" Ronald Reagan fährt fort: "Brauchen wir nur an einem Schalter zu drehen: Der elektrische Strom bringt sie uns ins Haus. Auch auf diese Weise trägt der Strom zu unserem Wohlbefinden bei."

Reagan, der als junger Mann eher demokratische Positionen vertreten hatte, verdiente schließlich so viel, dass er immer konservativer wurde. Sein ständiges Thema war die Einkommensteuer, die für Höchsteinkommen bei 91 Prozent lag: "Sie macht uns zu einer Nation von Lügnern und Betrügern", wetterte er 1957 in einer Radiosendung.

Ab September 1954 moderierte Reagan acht Jahre lang die Sonntagabendsendung "General Electric Theater" und zog von Fabrik zu Fabrik. Zwei Jahre war er nur unterwegs. In dieser Zeit hielt er nach eigenen Angaben bis zu 14 Reden am Tag und kam mit 250 000 GE-Mitarbeitern in Kontakt. Dabei perfektionierte Reagan sein rednerisches Talent, was ihm später im Wahlkampf zugutekam, und wurde zum entschiedenen Fürsprecher der Großkonzerne.

1960 engagierte er sich im Präsidentschaftswahlkampf Richard Nixons. Als der Republikaner dem Demokraten John F. Kennedy unterlag, wollte General Electric seine guten Beziehungen zum Weißen Haus bewahren und ließ 1962 den Vertrag seines Unternehmenssprechers auslaufen. Reagan nahm das nicht krumm. Vier Jahre später wurde er zum Gouverneur von Kalifornien gewählt. SERGE HALIMI

Le Monde diplomatique Nr. 8122 vom 10.11.2006, 59 Zeilen, SERGE HALIMI

Seitenanfang

Übersicht  Voriger Artikel  Nächster Artikel