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Ausgabe vom 10.11.2006

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Meldungen des Monats

Schlechte Nachrichten

In Oaxaca im Süden von Mexiko wurde am 27. Oktober der US-amerikanische Kameramann Brad Will erschossen. Der für die Nachrichtenagentur Indymedia arbeitende Will kam zu Tode, als die Polizei in Santa Lucía del Camino gegen streikende Lehrer vorging. Dabei wurde auch der mexikanische Fotograf Osvaldo Ramírez von der Tageszeitung Milenio angeschossen. Inzwischen wurden vier Personen festgenommen, die von Beobachtern als Täter benannt wurden. Darunter sind ein Polizist, ein ehemaliges Mitglied der Paramilitärs und der Chef der städtischen Sicherheitskräfte, zugleich starker Mann der in Oaxaca herrschenden Partei der Institutionellen Revolution (PRI). Die Täter sollen auf eine Straßenbarrikade gefeuert haben, die von streikenden Lehrern und Mitgliedern der Volksversammlung von Oaxaca (Appo) errichtet wurde.

Wegen "Beleidigung des Präsidenten" wurde in Russland der Journalist Wladimir Rachmankow, am 24. Oktober zu einer Geldstrafe von umgerechnet 600 Euro verurteilt. Der Chefredakteur der Internetzeitung "Cursiv" hatte am 18. Mai unter der Überschrift "Putin als Russlands Phallussymbol" einen satirischen Beitrag verfasst, der sich über die Kampagne der Regierung zur Steigerung der Geburtenrate lustig machte. Danach waren sein Büro durchsucht, sein Computer konfisziert und seine Website blockiert worden.

Ein Fotograf der Hongkonger Tageszeitung Oriental Daily wurde in China am Rande einer Schönheitskonkurrenz körperlich misshandelt. Als sich Wung Huo bei der Wahl zur "Miss International" zu nahe an die Bühne drängte, wurde er von Wachen gewaltsam abgedrängt und in einer Ecke zusammengeschlagen. Der Fotograf, der Kopfwunden und einen Nasenbeinbruch erlitt, wurde erst in Ruhe gelassen, als ein anderer Wachmann rief: "Hört auf, die Gäste kommen!" Der Zwischenfall wirft im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2008 die Frage auf, wie Polizisten und Sicherheitskräfte bei Missbrauch ihrer Funktion disziplinarisch belangt werden können.

Gute Nachrichten

Die Behörden in China haben im Oktober 2006 die Zensur, die ein Jahr zuvor für die Online-Enzyklopädie Wikipedia angeordnet wurde, teilweise wieder aufgehoben. Die englische Ausgabe von Wikipedia ist nun unbegrenzt zugänglich, also auch die Inhalte, die von den Behörden als "sensibel" angesehen werden und blockiert waren. Das gilt zum Beispiel für die Darstellung der Ereignisse auf dem Tiananmen-Platz von 1989. Die chinesische Ausgabe der Wikipedia ist dagegen immer noch blockiert bzw. für die meisten Chinesen unzugänglich. Der Teilerfolg von Wikipedia ist auch deshalb bemerkenswert, weil sich die Herausgeber - im Gegensatz zu Google, Yahoo und MSN - den Zensurforderungen der chinesischen Regierung nicht gebeugt hatten.

Am 24. Oktober ist in Pakistan der Journalist Mehruddin Marri wieder frei gekommen. Der Mitarbeiter der sindhisprachigen Tageszeitung Kawish war am 27. Juni in Thattain in der südlichen Provinz Sindh verhaftet worden. Nach seiner Aussage überstellte ihn die Polizei an die pakistanische Armee. In deren Gewahrsam wurde er an einem unbekannten Ort verhört, wobei sich das Militär vor allem für Verbindungen zu politischen Führern in Belutschistan interessierte. Marri berichtet auch über Folter in Form von Elektroschocks und tagelangem Schlafentzug.

Am 31. Oktober kam der Evariste Ngaralbaye in der Hauptstadt des Tschad wieder auf freien Fuß. Der Journalist der Wochenzeitung Notre Temps wurde am 27. Oktober im Hauptquartier der Nationalen Gendarmerie in N'Djamena festgenommen und vier Tage ohne Begründung inhaftiert. Justizminister Djasnabaille sprach von einem "Verfahrensfehler", weil die Festnahme erfolgte, bevor überhaupt eine Klage gegen den Journalisten vorlag. Die Nationale Gendarmerie beschuldigt Ngaralbaye "den Ruf und die Moral der Truppen" geschädigt zu haben, nachdem er den Bürgerkrieg im Osten des Landes kritisiert hatte.

Le Monde diplomatique Nr. 8122 vom 10.11.2006, 112 Zeilen,

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