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Der Weg zur Unabhängigkeit

ENDE des 19. Jahrhunderts einigten sich die Kolonialmächte Großbritannien und Deutschland über ihre Einflussgebiete in Ostafrika. Die britische Krone beanspruchte Kenia, um Zugang nach Uganda zu gewinnen.

6 000 Europäer (1 Prozent der Bevölkerung) verfügten über rund ein Viertel des landwirtschaftlich nutzbaren Bodens. Die afrikanischen Landarbeiter wurden mit einem winzigen Stück Land entlohnt. Aber Kenias fruchtbares Hochland („White Highlands“) blieb den Europäern vorbehalten.

In den 1920er-Jahren entstanden unter den schwarzen Kenianern die ersten nationalistischen Bewegungen. Einer ihrer Anführer war Jomo Kenyatta von der Kikuyu Central Association (KCA), die 1940 verboten wurde. 1950 brachen Unruhen aus. Ausgelöst wurden sie von Kikuyu, die von der Landnahme durch weiße Siedler am stärksten betroffen waren. Zahlreiche Kenianer aller Ethnien schlossen sich der Unabhängigkeitsbewegung an, die unter dem Namen Mau-Mau bekannt wurde. Die Repression des Widerstands führte zu einem vierjährigen Krieg mit Folter, Mord und Internierung.

Obwohl die Revolte niedergeschlagen wurde, mussten die weißen Siedler Veränderungen akzeptieren: 1959 erhielten die Kenianer aller Ethnien im Hochland das Recht auf Landbesitz. Danach wurden verschiedene Konferenzen abgehalten, die den Afrikanern schrittweise die Möglichkeit eröffneten, die Mehrheit innerhalb der Exekutive und im Parlament zu erlangen. Diese Stationen markierten den Weg in die Unabhängigkeit.

Jomo Kenyatta, den man als angeblichen Anführer der Mau-Mau-Bewegung zu sieben Jahren Haft verurteilt hatte, übernahm nach seiner Freilassung 1961 die Leitung der Nationalen Afrikanischen Union Kenias (Kanu). Als das Land am 12. Dezember 1963 die Unabhängigkeit erlangte, wurde Kenyatta zum ersten Präsidenten Kenias und blieb es bis zu seinem Tod im Jahre 1978.

Le Monde diplomatique vom 14.01.2005,