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Ausgabe vom 11.4.2003

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Luc Tuymans

DER belgische Maler Luc Tuymans (geb. 1958) hat ganze Serien explizit kulturkritischen oder politischen Themen gewidmet, dem Nationalsozialismus (Die Zeit, 1988), der unheimlichen Heimat (Suspended, 1990), der US-Gesellschaft (The Heritage, 1995/96), der belgischen Kolonialvergangenheit (Mwana Kitoko - Beautiful White Man, 2000) und der Inszenierung des Religiösen (The Passion, 1999). Doch seine Bilder sind keine unmittelbar lesbaren Äußerungen zum Thema. Tuymans sucht, seine Bilder zu entleeren ("Um etwas zu zeigen, male ich viel weg"). Im Gegensatz zu den zeitgleich auftauchenden "Neuen Wilden" waren Tuymans Bilder in den 1980er-Jahren klein, farbarm, leer und kalt. Das hat Methode: Tuymans stößt auf ein Zeitungsbild, einen Einfall oder Gegenstand und hält dieses Objekt für sich fest, oft mittels eines Polaroidbildes. Dann gerät es vorübergehend in Vergessenheit, wird distanziert und distanziert sich, bis Tuymans es irgendwann wieder aufgreift und zum Motiv eines Bildes macht. ("Was mich am meisten an Motiven interessiert, ist die Ausdauer.")

Die Serie "The Passion" basiert auf einem Prospekt der Passionsspiele in Oberammergau aus den 1970er-Jahren. Zu ihr gehört neben "Petrus und Paulus" und der "Kreuzigung" auch ein Spiegel und ein Kanarienvogel, welchergewöhnlich im Käfig haust. Im theatralischen Laienspiel kommt kein Heiliger Geist über uns, ein gelber Kanarienvogel hockt in weißem Nebel statt in lichter Transzendenz. M.L.K.

Le Monde diplomatique Nr. 7028 vom 11.4.2003, 41 Zeilen, M.L.K.

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