Le Monde diplomatique

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Wir trauern um Christian Semler (13. Dezember 1938 – 13. Februar 2013)

Die nächste Ausgabe von LE MONDE diplomatique erscheint am 14.6.2013 als Beilage der taz und separat am Kiosk ab dem 11.5.2013

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Kunst in LE MONDE diplomatique

In jeder Ausgabe

präsentiert die deutschsprachige LE MONDE diplomatique eine/n (zumeist zeitgenössische/n) KünstlerIn mit ausgewählten Werken. So erhalten unsere LeserInnen kleine Einblicke in außersprachliche Darstellungen und Verarbeitungen individueller wie gesellschaftlicher Prozesse. Neben einem kurzen einführenden Text gibt es Hinweise auf aktuelle Ausstellungen und Kataloge zum Weitersehen.

K. H. Hödicke

Karl Horst Hödicke, 1938 in Nürnberg geboren, lebt und arbeitet seit 1959 in Berlin. Seine großformatige Malerei setzt sich immer wieder mit der Stadt auseinander. In den 1950er und 60er Jahren war sie insofern radikal, als sie zur Hoch-Zeit der Abstraktion weitgehend figurativ war und blieb. Er arbeitet mit unterschiedlichen Bildträgern, gelegentlich dehnt und verzieht er auch seine Leinwände wie bei "New York City?".

Dieser durchaus auch experimentelle Künstler ist aber auch schon immer offen gegenüber anderen Medien gewesen, so gibt es auch Objekte, Skulpturen und sogar Filme von ihm. Zu seinem 75. Geburtstag ehrt die Berlinische Galerie K. H. Hödicke mit einer großen Ausstellung (bis 27. Mai), gleichzeitig zeigt die Raab Galerie bis zum 23. April Arbeiten von Hödicke in ihrem Kabinett in Berlin.

Für die Abbildungen danken wir dem Künstler, der Berlinischen Galerie und der Galerie Raab. Das Copyright liegt bei der VG Bild-Kunst, Bonn. www.berlinischegalerie.de, www.raab-galerie.de

Wilhelm Werthern


Heidi Specker

Die Fotografin nimmt mit ihrer Kamera oft einen bestimmten Ort sehr genau in den Blick und schafft Werkgruppen mit Architektur- und Interieurfotografien. Man könnte man sagen, sie betreibt eine Art Archäologie modernistischer Lebenswelten - eine Spurensuche, deren geradezu intime Bilder manchmal etwas Geheimnisvolles, vielleicht sogar Unheimliches haben können. Man fragt sich, was vor diesen Wänden, in diesen Räumen geschehen sein mag. Ihre Natur- und Architekturfotografien sind weder nostalgisch noch sentimental, sondern entwickeln mit ihrem Interesse für Muster und Raster eine fast abstrakte, strenge und trotzdem lyrische Bildsprache.

Heidi Specker, 1961 in Damme in Oldenburg geboren, ist Professorin für Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Vom 16. März bis zum 13. April sind ihre Arbeiten in der Galerie September in Berlin zu sehen. www.september-berlin.de

Für die Abbildungen danken wir der Künstlerin, das Copyright liegt bei der VG Bild-Kunst, Bonn. www.heidispecker.de Wilhelm Werthern


Lev Khesin

ist 1981 in Pensa, Russland, geboren und hat dort auch studiert. Seit 1999 lebt und arbeitet er in Berlin, wo er an der Universität der Künste sein Studium fortgesetzt und als Meisterschüler abgeschlossen hat. Seine Arbeiten sind keine klassische Malerei - es sind dreidimensionale abstrakte Bilder oder Objekte. Lev Khesins bevorzugtes Material ist Silikon, das zusammen mit anderen Materialien in Schichten auf den Bildträger (meist Holz oder Leinwand) aufgetragen wird. Man könnte von einem Wachsen der Bilder sprechen, deren einzelne Schichten an den Bildrändern rekonstruiert werden können. Silikon ist lichtdurchlässig, das gibt den Arbeiten eine eigentümliche Tiefe, manche von ihnen scheinen geradezu von innen zu leuchten, und gleichzeitig ist das Material sehr haptisch. Die Arbeiten stellen nichts dar und verlangen gerade deshalb danach, sehr eingehend betrachtet zu werden.

Der Künstler wird von der Berliner Galerie Läkemäker vertreten. Vom 20. April bis zum 21. Mai 2013 zeigt der Kunstverein Bamberg eine Einzelausstellung mit Arbeiten von Lev Khesin. Für die Abbildungen danken wir dem Künstler. www.laekemaeker.com, www.levkhesin.de.

Wilhelm Werthern


Marlon Wobst

ist 1980 in Wiesbaden geboren und hat von 2005 bis 2008 zuerst an der Akademie für Bildende Künste in Mainz Malerei studiert, bevor er an die UdK Berlin wechselte, wo er 2011 sein Studium als Meisterschüler abgeschlossen hat. Seine Malerei zeichnet sich durch Lakonie und oft großen Witz aus, dabei haben seine Sujets etwas skurril Geheimnisvolles, aber eben auch Leichtes. Die Motive sind sehr reduziert. Die große malerische Geste ist seine Sache nicht. Noch bis zum 10. Februar sind seine Werke im Berliner Georg-Kolbe-Museum als Teil der Ausstellung der Meisterschülerpreisträger der UdK zu sehen. Vom 1. Februar bis zum 2. März zeigt die Galerie Schwarz Contemporary in Berlin eine Einzelausstellung des Künstlers. Für die Abbildungen danken wir der Galerie Schwarz Contemporary: www.schwarz-contemporary.com.

Wilhelm Werthern


Ueli Etter

Der Künstler ist 1963 in Uhwiesen, Schweiz, geboren und in der Schweiz aufgewachsen. Studiert hat er an der Hochschule der Künste in Berlin. Sein Werk ist ungeheuer vielfältig und reicht von Zeichnung, Malerei und Grafik bis hin zu Performances und Installationen. Besonders interessant ist, dass er in seiner Arbeit spielerisch die Grenzgebiete zwischen freier und angewandter Kunst auslotet. So werden die von ihm gestalteten Textilien durchaus benutzt, und sogar für Ladeneinrichtungen und die Bemalungen von Geschäften zeichnet er verantwortlich. Ueli Etter lebt und arbeitet in Tel Aviv und Berlin. Noch bis zum 6. Januar zeigt die Berliner Galerie Zwinger seine Einzelausstellung "Wahres und Schönes".

Wir danken der Galerie Zwinger und dem Künstler für die Abbildungen, das Copyright liegt bei der VG Bild-Kunst, Bonn (www.zwinger-galerie.de, www.uelietter.com). Wilhelm Werthern


Thomas Scheibitz

Für seine Malerei und seine Skulpturen greift der Künstler auf ein umfangreiches Archiv zurück: Er benutzt Vorlagen - aus Film, Musik, Werbung, aber auch aus der Kunstgeschichte - und übersetzt sie in einem mehrstufigen Abstraktionsprozess in eine neue Bildsprache. Es geht ihm also nicht um das Erfinden "neuer" Bilder; als Betrachter fühlt man sich vielmehr vage an etwas erinnert, das sich aber nicht mehr an etwas Bestimmtem festmachen lässt. Das Ergebnis ist ein Equilibrium aus Abstraktion und Figuration. "Meine Arbeit", sagt Scheibitz, "bewegt sich zwischen den Polen Zeitgenossenschaft und Zeitlosigkeit, zwischen Sinn und Nichtsinn." Bis 13. Januar 2013 ist eine umfangreiche Ausstellung mit neueren Arbeiten von Thomas Scheibitz im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main zu sehen. Für die Abbildungen danken wir dem Künstler und den Galerien Sprueth Magers (Berlin/London) und Tanya Bonakdar (New York). Das Copyright liegt bei der VG Kunst-Bild, Bonn. www.mmk-frankfurt.de, www.thomasscheibitz.de.

Wilhelm Werthern


Knut Wolfgang Maron

Der Fotograf Knut Maron hat an der Folkwangschule in Essen studiert und lehrt seit 1993 als Professor an der Hochschule Wismar. Er arbeitet vorwiegend in Serien, in denen er sich mit dem Thema Vergänglichkeit auseinandersetzt, wie etwa bei der "Dakota"-Serie. Das jüngste, sehr persönliche Projekt des 1954 in Bonn geborenen Künstlers heißt "Ein Leben". Es wendet sich der Frage zu, was am Ende bleibt. Im Haus seiner Mutter führte er fotografisch Tagebuch über die letzte Phase ihres Lebens. Nach ihrem Tod hat er die Dinge in ihrem Haus fotografiert und manche Bilder zu Diptychen zusammengefügt. Sie zeugen von der Zerbrechlichkeit und sichtbaren Ordnung eines langen Lebens. Dieses Projekt wird noch bis zum 4. November in der Kunsthalle Erfurt gezeigt, danach wandert die Ausstellung weiter ins Kunstmuseum Mülheim/Ruhr (ab 18. November) und ins Staatliche Museum Schwerin (22. Februar bis 20. Mai 2013), siehe auch www.zone-b.info/kuenstler/knut-wolfgang-maron.

Wilhelm Werthern


Gérard Quenum

Seine Skulpturen sind eklektische Mischungen: Sie bestehen aus recycelten objets trouvés, deren unterschiedliche Geschichten zur Bedeutung der Werke beitragen und die zu einer Art Porträt zusammengesetzt werden. Manchmal werden sie auch zu ganzen Szenerien verarbeitet. Sehr gern verwendet er alte Puppen, die damit zum zweiten Mal recycelt werden, da sie meist von europäischen Kindern abgelegt und in Hilfspaketen nach Afrika geschickt wurden. Deutlich sieht man ihnen an, dass sie ursprünglich weiß waren, bevor der Künstler sie schwarz gemacht hat, üblicherweise mit einem Bunsenbrenner beziehungsweise einer Lötlampe. Das Ergebnis sind witzige, anrührende, aber auch politisch aufgeladene Arbeiten, die eine erhebliche ästhetische Wucht entwickeln.

Gérard Quenum ist 1971 in Porto Novo, Benin, geboren. Vom 20. September bis zum 27. Oktober ist seine Ausstellung "Dolls Never Die" in London zu sehen, in der October Gallery (www.octobergallery.co.uk), der wir für die Abbildungen danken. Wilhelm Werthern


Jens Schubert

Der 1983 in Schwarzenberg (Erzgebirge) geborene Künstler hat an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig studiert. Er konzentriert sich hauptsächlich auf Linoldrucke, deren komplexe Bilderwelten sich durch ornamentale Dichte und oft großen Witz auszeichnen. Die Bildelemente sind manchmal erkennbar, insgesamt ergibt sich jedoch kein narrativer Faden - es bleibt viel Raum für eigene Assoziationen. Seine Arbeiten sind im Wortsinn vielschichtig, denn er benutzt eine Mehrfachdrucktechnik, bei der einzelne Linolplatten übereinander gedruckt werden - was den Arbeiten, übrigens stets Unikate, ihre Tiefe verleiht.

Für die Abbildungen danken wir dem Künstler und dem Verlag The Green Box, Berlin: www.thegreenbox.net. Weitere Informationen zum Künstler gibt es bei den Galerien Kleindienst in Leipzig und M2A in Dresden: www.galeriekleindienst.de, www.galerie-m2a.de.

Wilhelm Werthern


Jimmie Durham

Der 1940 in Washington, Arkansas geborene Künstler lebt seit 1994 in Europa. Er arbeitet mit Materialien wie Holz, Stein und Knochen, aber auch mit Fundstücken. Sein Werk ist ungeheuer vielfältig und umfasst neben Collagen, Installationen, Assemblagen, Skulpturen, Performances und Malerei auch Essays und Gedichte. Es ist zugleich politisch und persönlich, oft sehr berührend und lyrisch (auch im Wortsinn, da er oft Gedichte in seine Arbeiten integriert), dabei immer vollkommen frei von Pathos. Vielmehr zeichnet es sich häufig durch großen Witz aus. Beispielsweise wirft Durham Felsbrocken auf Autos oder bewirft Kühlschränke und Fernseher mit Steinen: Konsumkritik, die Spaß macht. Über seine Kunst hinaus ist er als Aktivist in der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung bekannt und war der erste Vertreter indigener Völker bei den Vereinten Nationen. Seine Arbeiten sind bei der diesjährigen Documenta zu sehen, und das Museum für Gegenwartskunst in Antwerpen widmet ihm derzeit eine Retrospektive (bis 18. November). Neueste Arbeiten zeigt die Galerie Wien Lukatsch, Berlin. Für die Abbildungen danken wir der Galerie Opdahl, Berlin, und der Galerie Wien Lukatsch. www.galerieopdahl.de, www.barbarawien.de. Wilhelm Werthern


Laurence Egloff

Die 1972 in Paris geborene Malerin arbeitet meist mit Vorlagen - das können Fotografien sein oder Bilder aus der Werbung, sehr oft aber sind es berühmte Gemälde aus der Kunstgeschichte. Mit deren Komposition setzt sie sich intensiv auseinander und überführt sie in mehreren Versionen in eine immer stärkere Abstraktion, so dass schließlich die ursprüngliche Vorlage oft nur noch zu erahnen ist. Der Fokus liegt also nicht auf der Bilderfindung, sondern vielmehr auf dem Malerischen selbst, auf den Strukturen und den mit energischem Pinselstrich aufgetragenen Farben. Auch die ganz freien Arbeiten stellen sich dabei in die Tradition der Alten Meister führen sie radikal weiter.

Am 21. Juni 2012 wird eine Einzelausstellung der Künstlerin in der Galerie Schwarz Contemporary, Berlin, eröffnet, die bis zum 21. Juli zu sehen ist. Wir danken der Galerie für die Abbildungen. www.schwarz-contemporary.com

Wilhelm Werthern


Sahar Zukerman

In seiner manchmal surreal anmutenden Malerei setzt sich der Künstler, der 1985 in London geboren und in Tel Aviv aufgewachsen ist, viel mit Männlichkeit und Heldentum auseinander. Deshalb widmet er beispielsweise eine ganze Serie dem Heiligen Georg und versetzt die Legende vom Drachentöter in die heutige Zeit. Der in kräftigem Grün gemalte Drache wirkt trotz seiner gewaltigen Größe eher niedlich und ist offenbar schon besiegt, in manchen Bildern scheint es um seine Entsorgung zu gehen. In anderen Darstellungen findet sich St. Georg in einer zerbombten Stadt wieder - so oder so bleibt wenig Anlass für heroische Posen. Auch Zukermans etwas aufgedunsener Prometheus wirkt eher erschöpft und resigniert als heldenhaft, und sein einsamer Schwimmer treibt zwar entspannt, aber anscheinend auch ziellos im Wasser.

Sahar Zukerman lebt und arbeitet in Berlin. Für die Abbildungen danken wir dem Künstler. www.saharzukerman.com

Wilhelm Werthern


Boris Mikhailov

Der 1938 in der Ukraine geborene Künstler verbindet auf vielfältige Weise dokumentarische Fotografie mit konzeptueller Kunst. Er arbeitet zumeist in Serien, die schonungslos und zugleich humorvoll-ironisch seine Umgebung wiedergeben und politisch durchaus brisant sind. Er experimentiert mit Diapositiven, verfremdet Fotografien durch Handkolorierung oder kombiniert sie mit Text. Die Serie "Superimpositions" (Überblendungen, ab 1968) gilt als seine erste künstlerische Arbeit.

"Meine Aufmerksamkeit zielt auf das Gewöhnliche und Alltägliche", erklärt der Künstler, der inzwischen in Berlin und Charkiw (Ukraine) lebt.

Bis zum 28. Mai sind seine Werke in einer großen Ausstellung in der Berlinischen Galerie zu sehen. Wir danken der Berlinischen Galerie sowie der Galerie Barbara Weiss für die Abbildungen, deren Copyright bei der VG Bild-Kunst, Bonn, liegt.

www.berlinische-galerie.de Wilhelm Werthern


Sam Nhlengethwa

gehört zu den wichtigsten zeitgenössischen Künstlern Afrikas. Er wurde 1955 in Payneville, Springs, Südafrika geboren. In seinem Werk spielt Musik nicht nur als Motiv eine wichtige Rolle: Er ist vor allem vom Jazz fasziniert, dessen kompositorische Freiheit er auf seine Bilder überträgt. Immer wieder setzt er sich auch mit dem Werk seiner Künstlerkollegen auseinander. In den hier gezeigten Arbeiten sind Interieurs, Alltagsszenen und Musik die vorherrschenden Sujets; weniger deutlich wird, dass Sam Nhlengethwa auch ein eminent politischer Künstler ist, der sich immer wieder mit der Geschichte der Apartheid in seinem Land auseinandersetzt. Berühmt ist beispielsweise seine Collage "It left him cold - the death of Steve Biko" von 1990. Für die Abbildungen danken wir der Goodman Gallery in Johannesburg und Kapstadt, siehe
www.goodman-gallery.com.

Wilhelm Werthern


Elmar Bambach

Er wurde 1976 in Aachen geboren und studierte in München Fotografie. Seine äußerst nüchternen Fotografien, meist in Serien zusammengefasst, zeigen so gut wie nie Menschen. Vielmehr sind es - mehr oder weniger verlassene - Orte. Auf seinen Bilder scheint es, als sei die Zeit stehen geblieben.

In den Bibliotheksansichten geben höchstens ein Kopierer oder ein Papierkorb Hinweise darauf, dass hier auch gearbeitet wird. Von dem New York, wie Bambach es zeigt, ist man überrascht, denn wir sehen nur Peripherie, keine Hochhäuser und keine Menschenmassen in Straßen. Auch die Stadien verfallen, wirken verlassen.

Eine übertriebene Ästhetisierung kann man dem Künstler nicht vorwerfen. Die Realität, die er (ab)bildet, könnte den Betrachter fast traurig stimmen, würde sie nicht eine so leichte, heitere Melancholie ausstrahlen (www.elmarbambach.de).

Wilhelm Werthern


Romuald Hazoumè

ist 1962 in Porto-Novo in Benin geboren. Er arbeitet äußerst vielfältig und verwendet ganz unterschiedliche Medien. In seinen komplexen Installationen benutzt er gefundene Objekte, setzt aber auch Film, Klang und sogar Gerüche ein. Immer wieder tauchen Plastikkanister in seiner Arbeit auf, zum Beispiel in seinen oft sehr witzigen Masken als zentrales Element, aber auch in den großen Installationen, in denen es um Sklavenhandel und afrikanische Flüchtlinge geht. Auch in den Fotografien sind oft mit Kanistern hoch beladene Fahrräder und Mopeds zu sehen, die auf den ersten Blick sehr malerisch aussehen: Sie dokumentieren den illegalen Transport von geschmuggeltem Benzin aus Nigeria zu den Abnehmern in Benin. So setzt sich seine Arbeit immer wieder ganz konkret mit dem Leben im zeitgenössischen Afrika und mit dessen Beziehung zur westlichen Welt auseinander.

Für die Abbildungen danken wir dem Künstler, der October Gallery, London, www.octobergallery.co.uk, und der Galerie Magnin-A, Paris. Das Copyright liegt bei der VG Bild-Kunst, Bonn. Wilhelm Werthern


Shadi Ghadirian

Die Fotografin ist 1974 in Teheran geboren und hat an der Azad-Universität studiert. Sie lebt und arbeitet in Teheran. Bekannt ist die Künstlerin für ihre Auseinandersetzung mit der Rolle der Frau - nicht nur im Iran. Aber darauf lässt sich ihre Arbeit nicht reduzieren. In der Serie Like Everyday haben die Frauen statt Gesichtern Haushaltsgegenstände (Hochzeitsgeschenke, die Ghadirian selbst erhalten hat). Die Auseinandersetzung mit der Allgegenwart von Krieg und Gewalt im Mittleren Osten ist besonders deutlich in den Serien Nil/Nil und White Square. In Nil/Nil ist in häuslichen Interieurs immer wieder eine Waffe versteckt, und in White Square wird Kriegsgerät, mit einem roten Geschenkband versehen, geradezu glamourös präsentiert - aber es sind natürlich vergiftete Geschenke voll bitterer Ironie. Die Künstlerin wird von der Galerie Kashya Hildebrand in Zürich vertreten www.kashyahildebrand.org.

Für die Bilder danken wir Shadi Ghadirian
www.shadighadirian.com.

Wilhelm Werthern


Inka Lindergård und Niklas Holmström

In der Serie "Watching Humans Watching" des schwedischen Künstlerpaars bewegen sich Menschen in scheinbar vorgegebenen Formen und Mustern und betrachten die Natur. Die Künstler fotografieren sie aus der Distanz, oft von hinten, wie seltene Tiere. Dazu merken sie an: "In der Wüste, weit weg von ihren eigenen Lebensräumen, bilden die Menschen Formationen, ähnlich wie die Pinguine in der Antarktis." Sie wirken verloren und fast immer auch komisch. Die Arbeiten aus der Serie "Saga" (Märchen) sind fast an den gleichen Orten entstanden, allerdings ohne Menschen. Hier ist sehr viel inszeniert - mit Rauchbomben, auf Bergen gespannten Seilen oder auch Farbfiltern. Bis zum 17. Dezember sind die Arbeiten in der Galerie Swedish Photography in Berlin zu sehen, der wir für die Bilder danken (www.swedishphotography.org). Wilhelm Werthern


Yago Hortal

ist 1983 in Barcelona geboren und hat dort sowie in Sevilla studiert. Mit seinen starken, manchmal auch grellen Farben gelingt es ihm, nicht nur Räumlichkeit, sondern vor allem auch eine enorme Bewegung und Dynamik in seinen Bildern herzustellen, die vor Energie nur so zu strotzen scheinen. Dies funktioniert erstaunlicherweise sowohl bei den kleineren als auch den großen Formaten. Er kombiniert abstrakte organisch wirkende Formen mit fast gegenständlich anmutenden Elementen, die an Mechanisches denken lassen: Stahlfedern, Rohre und so weiter. Die sehr gestisch gemalten Bilder lassen viel Raum für Assoziationen, aber entscheidend ist die Auseinandersetzung mit dem Malerischen selbst - und vor allem die affektive Wirkung dieser Arbeiten.

Noch bis zum 29. Oktober sind seine neuesten Arbeiten in der Galerie Egbert Baqué Berlin Contemporary Art zu sehen. Für die Abbildungen danken wir dem Künstler und der Galerie (www.berlin-contemporary-art.com). Wilhelm Werthern


Gabriel Vormstein

Der 1974 in Konstanz geborene Künstler arbeitet mit ungewöhnlichen Materialien: Als Bildträger verwendet er oft Zeitungspapier; vier Doppelseiten werden zusammengeklebt und ergeben ein einheitliches und schon von den Maßen her eindrucksvolles Format. Der Zeitungsdruck bleibt als grafisches Element deutlich sichtbar, und so wird die externe Welt in die Arbeit integriert. Zeitungspapier altert und verfärbt sich schnell, und so sind die Themen von Vergänglichkeit und Zeit schon dem Material eingeschrieben.

In seinen Werken gibt es eine Vielzahl kunsthistorischer Referenzen, besonders auf die Wiener Moderne und Egon Schiele, die das eher trashige Material ästhetisch aufladen. Vormstein zeichnet allerdings nicht nur auf Zeitung, sondern arbeitet auch installativ und schafft abstrakte wie figürliche dreidimensionale Zeichnungen oder Wandskulpturen aus Zweigen, Klebeband und anderen Materialien (siehe Abbildung auf Seite 1), die sehr lakonisch und durchaus witzig sein können. Mit den Zeichnungen und Malereien auf Zeitungspapier teilen sie die Zerbrechlichkeit und Vergänglichkeit organischer Materialien.

Für die Abbildungen danken wir dem Künstler, der von der Galerie Meyer Riegger vertreten wird (www.meyer-riegger.de). Wilhelm Werthern


Cornelia Hesse-Honegger

Sie bezeichnet sich selbst als wissenschaftliche Zeichnerin und Wissenskünstlerin. Seit dem Unfall im Atomkraftwerk Tschernobyl 1986 untersucht und malt Cornelia Hesse-Honegger, geboren 1944 in Zürich, hauptsächlich morphologisch geschädigte Insekten, die sie in den Umgebungen von Atomkraftwerken sammelt. (Nur auf dem Bild auf unserer Titelseite sind gesunde Schweizer Marienkäfer zu sehen.) Beim genauen Betrachten ihrer Wanzenbilder sieht man überall Schädigungen: Mal ist ein Flügel kürzer als der andere, mal ist ein Bein verkrüppelt, mal fehlen den Fühlern Glieder. Bei den Sichelwanzen auf dieser Seite ist der rechte Flügel der linken Wanze kürzer, und die rechte Wanze hat einen deformierten Thorax. Man staunt über die große Schönheit der dargestellten Insekten. Diese Kunst ist im allerbesten Sinne engagiert und hochaktuell. Arbeiten von Cornelia Hesse-Honegger sind noch bis zum 28. August in Bremen im Wasserturm in der Ausstellung "Zur Nachahmung empfohlen" zu sehen. Für die Abbildungen danken wir der Künstlerin. Das Copyright für alle Arbeiten liegt bei der VG Bild-Kunst-beziehungsweise in der Schweiz bei ProLitteris (www.z-n-e.info, www.wissenskunst.ch). Wilhelm Werthern


Guy Tillim

Der Fotograf wurde 1962 in Johannesburg geboren und begann seine Karriere als Fotojournalist. Heute gilt er als einer der wichtigsten Künstler Südafrikas. Sein Blick schwankt zwischen Empathie und Distanzierung, es wird nichts verklärt, nichts beschönigt, dennoch sind die Bilder anrührend und fast wehmütig. Den Arbeiten, die wir hier aus der Serie "Avenue Patrice Lumumba" zeigen, ist gemein, dass sie in unterschiedlichen Städten Straßen und Gebäude zeigen, die nach dem ersten Ministerpräsidenten des unabhängigen Kongo benannt sind, der kurz nach seiner Wahl ermordet wurde. So denkt man beim Betrachten der Bilder diese Geschichte und auch die Aufbruchstimmung damals in Afrika mit - und was daraus geworden ist. Die verfallenden modernen Gebäude sind fast alle noch in Benutzung: Sie stellen also nicht nur die Vergangenheit, sondern auch Gegenwart und Zukunft dar. Tillim selbst spricht von "schwebenden Welten".

Guy Tillim lebt und arbeitet in Kapstadt. Für die Abbildungen danken wir der Galerie Kuckei + Kuckei (www.kuckei-kuckei.de).

Wilhelm Werthern


Jens Hanke

Im Werk des 1966 geborenen Künstlers stehen Malerei und Zeichnung vollkommen gleichberechtigt nebeneinander. Jens Hanke arbeitet sowohl abstrakt als auch figurativ, wobei er nicht selten beides in ein und derselben Arbeit kombiniert. In seinen jüngsten Collagen aus der Serie "A Twisted Mind Was Left Alone", von denen wir in dieser Ausgabe einige zeigen, hat Jens Hanke zu einer sehr reduzierten und doch expressiven, gänzlich abstrakten Formensprache gefunden. Die sehr transparenten Arbeiten wirken architektonisch, fast skulptural und objekthaft, dabei spielerisch und streng zugleich. Für die Abbildungen danken wir dem Künstler. Vom 17. Juni bis 10. Juli sind Arbeiten von Jens Hanke in einer Gruppenausstellung der Galerie Carolyn Heinz in Hamburg zu sehen. Für die Abbildungen danken wir dem Künstler.

www.jenshanke.de, www.galerie-hunchentoot.de

Wilhelm Werthern


Martin Creed

Die Kunst des Briten Martin Creed zeichnet sich vor allem durch zwei Dinge aus: einen schrägen Humor und die Ablehnung des Geniebegriffs. Theoretisch könnte jeder seine Arbeiten umsetzen und sich den Wohnungseingang mit einem schweren Schrank verstellen, Kakteen wie Orgelpfeifen der Größe nach aufstellen oder verschiedene Sessel und Stühle aufeinandertürmen. Seine Installationen bringen einen unwillkürlich zum Lachen, weil die Gegenstände alle so aussehen, als würden sie sich so verhalten, wenn gerade niemand hinschaut.

Bis zum 25. Juni werden Creeds neue Bilder und eine Videoarbeit in der Johnen Galerie Berlin ausgestellt. Für die Abbildungen danken wir dem Künstler, der Galerie Hauser und Wirth und der Johnen Galerie: www.johnengalerie.de.

Wilhelm Werthern


Jessica Backhaus

Die Fotografin interessiert sich vor allem für das Alltägliche. Sie benutzt kein künstliches Licht, sie inszeniert nichts, und ihre Fotografien werden auch nicht am Computer bearbeitet. Ihre Arbeiten fangen einen Moment ein, manche sind lakonisch, andere wiederum sehr lyrisch. Dabei ist sie stets auf der Suche nach dem Schönen. Ihre Interieurs, viele davon in Netno, Polen, aufgenommen, lassen sich auch als Porträts der Bewohner lesen. Neuerdings werden ihre Arbeiten abstrakter. Die Serie "I Wanted To See The World" - Spiegelungen auf der Wasseroberfläche - erinnert an den Impressionismus und mutet teilweise wie abstrakte Malerei an: sicher das interessanteste Experiment in ihrem Werk.

Jessica Backhaus, in Cuxhaven geboren, hat lange in Paris und New York gelebt und wohnt und arbeitet jetzt in Berlin. Bis zum 21. Mai sind ihre Arbeiten im Berliner Schauraum der Robert Morat Galerie zu sehen, und vom 13. Mai bis zum 25. Juni zeigt die Robert Morat Galerie in Hamburg ihre Werke.

www.robertmorat.de, www.jessicabackhaus.net

Wilhelm Werthern


Isabelle Borges

Sie ist 1966 in Salvador, Brasilien, geboren, und hat an der Escola de Artes Visuais, Rio de Janeiro, und der Kunstakademie Düsseldorf studiert. Man mag bei ihren abstrakten Arbeiten zunächst an die Konstruktivisten denken, doch zeichnen sich ihre Werke durch eine Dynamik aus, die in eine andere Richtung geht. Es ist ihr auch nicht um Flächigkeit oder geometrische Formen als solche zu tun, sondern viel mehr um Bewegung und auch Dreidimensionalität - Titel wie "Break out" und "Rotation" machen das sehr deutlich. Ihre Bilder entwickeln eine große Energie und Tiefe, ohne wuchtig zu werden. Die Moderne ist ihr zentrales Thema: Isabelle Borges erkundet, was diese uns heute noch bedeuten kann - eine Art Archäologie der Moderne. In ihren jüngeren Arbeiten setzt sie dabei Collagetechniken ein, Schnipsel aus Zeitungen und Zeitschriften - ein Verweis auf andere Traditionen der Moderne - und die Malerei wird gestischer, weniger streng. Vom 7. April bis zum 9. Juli findet die Ausstellung "The Arrow of Time (intro)" in der Galerie im Tempelhof Museum in Berlin statt.

Für die Abbildungen danken wir der Künstlerin. www.isabelleborges.com

Wilhelm Werthern


SUSI POP

ist keine Künstlerin, auch kein Pseudonym, sondern lässt sich am ehesten als Label beschreiben. Typisch für SUSI POP sind der Siebdruck und die Farbe Magenta, obwohl auch skulptural und gelegentlich mit Installationen gearbeitet wird. Bei SUSI POP unterscheidet man drei "Produktlinien": Coverversionen von berühmten Kunstwerken, "People and Politics", wo sehr bekannte Medienbilder bearbeitet werden, die sich als zeithistorische Kommentare lesen lassen, sowie Porträts (von Einzelpersonen, Familien, sogar Hunden), die zumeist Auftragsarbeiten sind. Dabei schert man sich wenig um Originalität oder Copyright, es geht auch nicht um eine Künstlerpersönlichkeit oder gar einen Geniekult, die Arbeiten bleiben alle unsigniert. Der Kunstmarkt wird benutzt und durchaus auch bedient, und doch bleibt dies ironisch, kritisch distanziert, lustig, poppig. Und dekorativ allemal.

Noch bis zum 19. Februar ist eine Ausstellung mit Porträts von SUSI POP in der Galerie Zwinger, Berlin, zu sehen, der wir für die Abbildungen danken. www.zwinger-galerie.de, www.susipop.com

Wilhelm Werthern


Cristof Yvoré

wurde 1967 in Tours, Frankreich, geboren. Er lebt und arbeitet in Marseille. Obschon seine Malerei, die auf Anekdoten beziehungsweise Erinnerungen aufbaut, figürlich ist, kann man sie doch nicht als im engeren Sinne realistisch bezeichnen: Sie bewegt sich an der Grenze zur Abstraktion. Es geht darin nicht so sehr um das, was dargestellt ist - Blumensträuße, Ecken in Räumen,Teilansichten von Hausfassaden, Vasen oder Gefäße -, sondern vielmehr um die Möglichkeiten von Malerei selbst. Seine melancholisch wirkenden Bilder sind Auseinandersetzungen mit Farbe und Komposition. Dabei verweigert sich Yvoré sehr konsequent modischen Trends in der Kunst.

Für die Abbildungen danken wir der Galerie Albrecht, Berlin, sowie der Zeno X Gallery in Antwerpen. Vom 14. Januar bis 26. Februar 2011 sind Arbeiten des Künstlers in der Gruppenausstellung "My Home Is My Castle" in der Galerie Albrecht in Berlin zu sehen: www.galeriesusannealbrecht.de. Wilhelm Werthern


Andrew Grassie

Die Arbeiten des britischen Malers sind verwirrend. Auf den ersten und sogar den zweiten Blick sehen sie wie Fotografien aus, aber sie sind Malerei. Die Bilder haben alle sehr kleine Formate: Die Abbildungen entsprechend fast den Originalgrößen.

Grassie malt oft die Arbeiten anderer Künstler, häufig Installationsansichten, setzt sich aber auch mit den Produktions-, Ausstellungs- und Verkaufsorten von Kunst, also dem ganzen Kunstbetrieb auseinander. Die Serie "Archive" ist nach in einem Galeriearchiv gefundenen Fotos gemalt, und in der Serie "New Hang" hat er eine imaginäre Ausstellung von Werken zusammengestellt. Der Künstler hat sie nacheinander in den Raum geholt und dort fotografiert. Erst in seiner Malerei nach diesen Fotos sind sie zu einer neuen "Hängung" geworden. Hier wird also eine Ausstellung dokumentiert, die nie stattgefunden hat. Die Arbeiten hinterfragen unsere gängigen Begriffe von Autorschaft, Kunst und Dokumentation. Die kleinen Formate lassen die Gemälde einerseits distanziert und andererseits sehr kostbar wirken, und in ihrer Präzision sind sie fast ein wenig unheimlich.

Andrew Grassie ist 1966 in Edinburgh geboren; er lebt und arbeitet in London. Für die Abbildungen danken wir dem Künstler, Maureen Paley, London, und der Johnen Galerie, Berlin. Das Copyright liegt bei der VG Bild-Kunst, Bonn. "Archive" ist bis 15. Januar 2011 in der Johnen Galerie zu sehen.

www.johnengalerie.de

Wilhelm Werthern


Gert & Uwe Tobias

Die Zwillingsbrüder, 1973 in Brasov (Kronstadt)/Rumänien geboren, arbeiten seit ihrer Studienzeit in Braunschweig stets als Team, wobei die Beiträge der einzelnen Künstler sich nicht identifizieren lassen. Berühmt geworden sind sie vor allem für ihre großformatigen farbigen Holzschnitte, aber zu ihrem Werk gehören ebenso Schreibmaschinenzeichnungen, Collagen, Skulpturen, Bücher und Wandarbeiten. Sie erschaffen eine skurrile Welt mit karnevalesken Köpfen, geisterhaften, verschmitzten Gesichtern und bunten Fantasiefiguren; dazu kommen auch grafisch sehr reduzierte, eher abstrakte Arbeiten. Ihre Figuren werden in den Zeichnungen und Collagen entwickelt und dann für die riesigen Holzschnitte grafisch reduziert und mit unterschiedlich eingefärbten Platten aus Pappelholz, die wie ein Puzzle zusammengesetzt werden, gedruckt. Beeinflusst sind sie in ihrem Werk ebenso von den Traditionen ihrer siebenbürgischen Heimat wie auch von der modernen Kunstgeschichte. Gert und Uwe Tobias leben und arbeiten in Köln.

Für die Abbildungen danken wir der Galerie Contemporary Fine Arts, Berlin, www.cfa-berlin.de. Wilhelm Werthern


Marc Francis

Auf den ersten Blick wirkt die meist großformatige Malerei von Mark Francis abstrakt. Dabei sind die Motive der Gemälde oft mikroskopischen Abbildungen feinstofflicher Organismen, grafischen Aufzeichnungen von Schallwellen und ähnlichen wissenschaftlichen Darstellungen entlehnt. In letzter Zeit beschäftigt sich Francis auch mit der Technik des Kartografierens. Die Weichheit des Nass-in-Nass-Verfahrens lässt die Gegenstände in den Hintergrund treten und nimmt den Bildern jegliche klinische oder trocken-wissenschaftliche Anmutung. Francis' Werke bewegen sich an der Grenze zwischen abstrakt und figurativ und lassen deshalb viel Raum für Assoziationen; einige Arbeiten haben etwas Textiles, andere erinnern an Hochhäuser. Mark Francis ist 1962 in Newtownards, Nordirland, geboren und lebt und arbeitet in London. Bis zum 23. Oktober sind seine Arbeiten in der Galerie Thomas Schulte in Berlin zu sehen, der wir für die Abbildungen danken.

www.galeriethomasschulte.de

Wilhelm Werthern


Menno Aden

Der 1972 in Weener geborene Fotograf ist spezialisiert auf Architekturen und Räume. Menschen sind in seinen Arbeiten so gut wie nie zu sehen. Und doch lassen sich die Arbeiten aus der Serie "Room Portraits" als Porträts der in den fotografierten Räumen lebenden Menschen lesen. Sie zeigen Raumordnungen aus ungewohnter Perspektive und wirken, als hätte jemand die Decke des Raums abgehoben, um ihn zu fotografieren - man assoziiert Puppenstuben und denkt gleichzeitig an Überwachung. Tatsächlich bestehen sie aus bis zu hundert Einzelaufnahmen, die mit Hilfe eines Stabstativs gemacht und dann digital zusammengesetzt werden. Für das Bildmaterial danken wir dem Künstler (www.menno-aden.de, www.galerie-schuster.de). Wilhelm Werthern


Jens Hausmann

Jens Hausmann setzt sich in seiner Malerei viel mit Architektur auseinander - es geht um die uneingelösten Versprechen der Moderne. Seine Arbeiten, von mehreren Aufenthalten in Brasilien wie auch von den banalen Wohnbauten deutscher Vorstädte geprägt, zeigen moderne Häuser und deren Bewohner. Man fühlt sich an Edward Hopper und David Hockney erinnert - aber trotz ihres Humors haben Hausmanns Bilder nichts von Hockneys Optimismus. Vielmehr scheinen sie den Moment vor der Katastrophe zu zeigen. Wie es weitergeht, weiß man nicht. Aber dass es nicht so weitergehen kann, ist klar. Die Szenerie: die exotische Flora Brasiliens oder der Wald der deutschen Romantik, manchmal beides zusammen in einem Bild.

Jens Hausmann ist 1964 in Meiningen geboren, hat in Dresden studiert und lebt und arbeitet in Berlin. www.jenshausmann.eu, www.galerie-schuster.de.

Wilhelm Werthern


Claudia Rogge

Die Arbeiten der Düsseldorfer Fotografin und Performancekünstlerin legen den Gedanken an Siegfried Kracauers Essay "Das Ornament der Masse" von 1927 nahe. Rogge setzt sich in ihren Arbeiten immer wieder mit dem Verhältnis von Individuum und Masse auseinander. In ihren Bildern wird der Mensch zum Muster. So zeigt sie Menschen niemals allein, sondern immer als Gruppe, in der Masse. Die Bilder sehen zwar oft wie eine einzige Aufnahme aus, entstehen aber tatsächlich aus sehr vielen Einzelbildern, die dann digital zusammengesetzt werden. Individuen scheint es nicht zu geben, wir spielen alle eine festgelegte Rolle in einer Choreografie - so ist es kein Zufall, dass etliche Arbeiten dieser Künstlerin an Theater- und Operninszenierungen erinnern. Die ästhetisch brillanten Bilder haben durchaus etwas Unheimliches.

Abbildungen: Courtesy Galerie Voss, Düsseldorf; das Copyright für alle Abbildungen liegt bei der VG Bild-Kunst, Bonn. www.claudia-rogge.de Wilhelm Werthern


Tatjana Doll

wirft mit ihren riesigen Bildern von Objekten des Alltags einen neuen Blick auf Altbekanntes. Gerade die verfremdeten Piktogramme und Schilder machen darauf aufmerksam, wie wir uns steuern lassen, ohne dies normalerweise groß zu hinterfragen. Die Rückkoppelung zur Nicht-Kunst-Welt funktioniert manchmal unbeabsichtigt sehr direkt: So bat der Chemiekonzern BASF das Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen, Dolls Ausstellungsplakate mit dem Motiv "Toxic Chemicals" (schwarzer Totenkopf auf gelbem Grund) in der Gegend rund um den Firmensitz wieder zu entfernen, obgleich die Malerin in diesem Fall das industrielle Warnsymbol lediglich reproduziert hatte.

Ab dem 14. Oktober werden Arbeiten von Tatjana Doll im Museum für Junge Kunst in Frankfurt (Oder) gezeigt. Das Copyright für alle Abbildungen liegt bei der VG Bild-Kunst, Bonn. Siehe www.galerie-gebr-lehmann.de und www.tatjanadoll.de.

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Henrik Hold

ist 1971 in Böblingen geboren und hat an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg studiert. Wir zeigen hier ausschließlich Arbeiten aus der Serie Clemens-Schultz-Straße 43/3. OG, es sind Interieurs oder Porträts seiner eigenen Wohnung. Die Gemälde lassen eigentlich kaum Rückschlüsse auf den Bewohner zu, es ist so gut wie nichts Persönliches zu sehen, die Einrichtung kommt uns altmodisch, ja fast zeitlos vor - man hat Schwierigkeiten, die Bilder einer bestimmten zeitlichen Epoche zuzuordnen. Aufgebaut sind die Bilder auf einer schwarz grundierten Leinwand, die helleren Farben werden in Schichten aufgetragen. Durch die Effekte von Licht und Schatten sind etliche Bilder fast an der Grenze zur Abstraktion. Man hat sie einmal als Untersuchungen zum Verhältnis von Raum, Licht, Atmosphäre und Zeit bezeichnet. Noch bis zum 24. Mai sind Henrik Holds Arbeiten in der Galerie am Klostersee in Kloster Lehnin zu sehen. Das Copyright für alle Bilder liegt bei der VG Bild-Kunst, Bonn 2010.

www.ppprojects.de, www.lauramars.de

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Carmen Herrera

Was den Kunstmarkt und die Kunstöffentlichkeit angeht, ist Carmen Herrera eine relativ neue Entdeckung, obwohl sie schon auf ein sehr langes Leben zurückblickt: Sie wurde 1915 in Havanna, Kuba, geboren, nahm dort Zeichenunterricht, begann ein Architekturstudium und zog 1939 nach New York. Von 1948 bis 1956 lebte sie in Paris, dort entwickelte sich ihre Arbeit von der gestischen Abstraktion der französischen Nachkriegskunst zu einer stringenteren formalen Haltung. Seit den frühen 1950er-Jahren konzentriert sie sich auf die reine Geometrie und Farbe, die sie auf ihre Essenz reduziert. Im New York der 1960er-Jahre war der Abstrakte Expressionismus angesagt, Herrera fand keine Galerie und arbeitete im Stillen weiter. 1989 hat sie erstmals ein Bild verkauft. Carmen Herrera lebt und arbeitet in New York. Bis zum 2. Mai ist eine Retrospektive ihres Werks in der Pfalzgalerie Kaiserslautern zu sehen, der wir für die Abbildungen danken.
www.pfalzgalerie.de

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Johanna Diehl

Die 1977 in Hamburg geborene Fotografin hat an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig studiert und lebt und arbeitet heute in Berlin. Wir zeigen hier Arbeiten aus den Serien "Displace", "Odessa" und "Ariowitsch-Heim". In ihrer Arbeit setzt sich Johanna Diehl immer wieder mit verlassenen Räumen und Orten auseinander. In der Serie "Gefrorene Räume" (2006) sind das verlassene Privaträume, die zum Teil seit Jahren nicht mehr verändert wurden, in "Displace" zeigt sie verlassene beziehungsweise umgewidmete und umgeweihte Kirchen und Moscheen in beiden Teilen des geteilten Zyperns, die von ethnischer Separierung und der Abwesenheit ganzer Gemeinden zeugen, aber auch davon, wie sich neue Gemeinden in alte Räume einschreiben. "Ariowitsch-Heim" entstand in einem leer stehenden ehemaligen jüdischen Altersheim in Leipzig. Die Serie "Odessa" sticht heraus, weil sie Porträts enthält - letztendlich aber handeln alle ihre Arbeiten von Menschen, ob sie nun gezeigt werden oder nicht.

Aktuell sind Fotografien aus der Serie "Displace" in der Galerie Wilma Tolksdorf, Berlin zu sehen. Für die Abbildungen danken wir der Künstlerin und der Galerie Wilma Tolksdorf.

www.wilmatolksdorf.de

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Jan Kummer

Jan Kummer ist 1964 in Weimar geboren, gelernter Tischler und beschäftigt sich seit 1981 mit Malerei, Grafik und Musik. Er lebt und arbeitet in Chemnitz. Von 1984 bis 1992 war er Mitglied des Künstlerkollektivs "AG Geige", von dem es etliche Veröffentlichungen auf MC, LP und CD gibt. Auch war er als DJ und Plattenladenbetreiber tätig. Seit 1999 arbeitet er mit Hinterglasmaltechniken, bei denen man den Vordergrund vor dem Hintergrund malt - also genau umgekehrt wie bei einem "normalen" Bild.

Die hier gezeigten Arbeiten sind Eglomisierungen, eine Sonderform der Hinterglasmalerei, bei der auch andere Materialien als Farbe verwendet werden, beispielsweise farbiges Stanniol - es handelt sich also um eine Mischung aus Malerei und Collage. Obwohl sie aus verschiedenen Schichten bestehen, die ihnen Tiefe verleihen, haben die Bilder eine vollkommen glatte Oberfläche. Die Motive erinnern oft an Kinderbücher der 1960er- und 1970er-Jahre, sind aber immer ironisch gebrochen, wirken gleichzeitig eindeutig und rätselhaft. Man sieht sie an und ist amüsiert, weiß aber nicht so recht, warum.

Vom 17. April bis 30. Mai 2010 zeigt der Kunstraum Heiddorf in 19249 Neu Kaliß (Mecklenburg-Vorpommern) Arbeiten von Jan Kummer. Ein Katalog mit dem Titel "Jan Kummer - Atlas der Kunst" ist im Ziegenfeldt Verlag erschienen. Weitere Informationen von der Galerie Borssenanger in Chemnitz: www.uwe-bullmann.de

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Matt Connors

Seine meist kleinformatigen Bilder spielen mit Elementen des Minimalismus und der Abstraktion, sind aber durch ihr Format, die verwendeten Materialien und die Art, wie der Künstler mit der Farbe arbeitet, sehr viel persönlicher und intimer als das, was man gemeinhin mit Minimalismus assoziiert.

Die Arbeiten wirken spielerisch, einladend und poetisch und keineswegs abweisend oder streng. Sie lassen vielfältige Assoziationen zu und irritieren unsere Wahrnehmung, die Grenze zwischen Abstraktion und Repräsentation bleibt verschwommen. Connors benutzt nicht nur Leinwand als Bildträger, sondern auch alltäglichere Stoffe - so bespannt er beispielsweise auch mal einen Keilrahmen mit Hemdstoff oder dem Stoff, an dem er seinen Pinsel abgewischt oder Farben getestet hat. Zudem bezieht er oft den Rahmen mit ein, so dass die Arbeiten objekthaft beziehungsweise fast bildhauerisch werden.

Matt Connors ist 1973 geboren. Er lebt und arbeitet zurzeit in Los Angeles. Für die Abbildungen danken wir der Galerie Lüttgenmeijer.

www.luettgenmeijer.com

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Ulrike Seyboth

Obwohl die 1970 in Schneeberg geborene Künstlerin abstrakt malt, lassen ihre Bilder durchaus konkrete Assoziationen zu. So denkt man bei einigen der sehr offenen und trotz ihrer Größe erstaunlich leichten Kompositionen, deren Farben von ihren langen Aufenthalten im Burgund inspiriert sind, nicht nur an Tanz, sondern auch an Blumensträuße oder Felder. Aber auch die formal dichteren Werke sind trotz ihrer Kraft nie wuchtig. Immer wieder begegnet uns auf ihren Bildern auch Schrift, die sich jedoch meist nur halb oder gar nicht entschlüsseln lässt. Diese Arbeiten sind eher emotional und sinnlich zu verstehen - die Künstlerin erklärt dazu, sie wolle eine Bildsprache entwickeln, für das, was durch die "Wortsprache" nicht auszudrücken sei. Es geht ihr dabei auch immer um den malerischen Prozess, der sich in den unterschiedlichen Schichten und expressiven Pinselstrichen gut nachvollziehen lässt. Ulrike Seyboth wird durch die Galerie Läkemäker Johannes Zielke (www.laekemaeker.com) vertreten. Wilhelm Werthern



Monika Baer

ist 1974 in Freiburg im Breisgau geboren und hat in Düsseldorf studiert. Als eine der wenigen Malerinnen nahm sie an der letzten Documenta teil. In ihrer Malerei verknüpft sie heterogene und disparate Elemente - malt beispielsweise einen Busen, der scheinbar aus der aufgetrennten und wieder zugenähten Leinwand kommt. Ihr Bilder lassen an den Surrealismus denken, aber auch an Pop-Art und sogar an die Romantik. Zwischen den Bildelementen scheint kein offensichtlich sinnhafter Zusammenhang zu bestehen. Monika Baer versteht ihre Bilder aber nicht als Illustrationen von Ideen; vielmehr geht es ihr um Grenzen und Brüche. In ihren jüngsten Bildern hat sich die Leinwand buchstäblich geöffnet: Sie wird zerschnitten und manchmal auch wieder zusammengenäht, manchmal auch nicht, so dass der Keilrahmen sichtbar wird. Ihre Arbeiten sind noch bis zum 19. Dezember in der Galerie Barbara Weiss, Berlin zu sehen. Wir danken der Galerie Barbara Weiss für die Abbildungen.
www.galeriebarbaraweiss.de

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Annette Kelm

ist 1975 in Stuttgart geboren; sie lebt und schafft in Berlin. Ihre Fotografie wirkt einerseits lapidar, andererseits inszeniert - es geht ihr nicht um das Dokumentarische, sondern sie zeigt arrangierte Abbilder der Wirklichkeit, wobei die Darstellungen oft schwer einzuordnen sind und rätselhaft wirken. In ihrer konzeptuellen Fotografie greift sie die Konventionen von Genres wie Stillleben, Porträt und Werbefotografie auf und durchbricht sie gleichzeitig. Über die Kontexte der Bilder erfährt man nichts, es lassen sich aber vielfältige Assoziationen und kunsthistorische Referenzen herausarbeiten. Annette Kelm war auf der Shortlist für den Preis der Nationalgalerie für junge Kunst. Bis zum 3. Januar 2010 sind ihre Arbeiten in der Preisträgerausstellung im Hamburger Bahnhof in Berlin zu sehen. Für das Bildmaterial danken wir der Galerie Johann König, Berlin. www.johannkoenig.de Wilhelm Werthern



Maziar Moradi

Der Fotograf ist 1975 im Iran geboren, hat an der HAW Hamburg studiert und lebt jetzt in Berlin. Moradi arbeitet hauptsächlich konzeptionell. Er inszeniert in seinen Fotografien Geschichten nach, die er gehört hat - und zwar mit ihren Erzählern. Er ist also Zuhörer und Erzähler, Fotograf und Regisseur in einem. Das Inszenierte der Arbeiten wird herausgestellt (man denkt unwillkürlich an Filmstills), und doch wirken sie irritierend authentisch. Zudem haben sie oft etwas Rätselhaftes, da die Geschichten über die Bilder hinaus nicht erklärt werden - es bleibt also den Betrachtern überlassen, sich die Erzählungen selbst auszumalen. Nur die Titel der Serien geben einen Hinweis: Die Serie "1979" zeigt die Geschichten vieler Familienmitglieder während der iranischen Revolution von 1979 und des anschließenden Irak-Iran-Kriegs, und "Ich werde deutsch" (von einem Stipendium der VG Bild-Kunst unterstützt) erzählt von Immigranten in Deutschland. Vom 12. 9. bis 31. 10. zeigt die Robert Morat Galerie (www.robertmorat.de) in Hamburg Arbeiten aus beiden Serien. www.maziar-moradi.de. Wilhelm Werthern



Christopher Winter

geboren 1968 in England, studierte in London und Düsseldorf und lebt in Berlin. Vor einiger Zeit hat er als Fremdenführer in Oberbayern gearbeitet und sich dort von Postkarten inspirieren lassen. Seine Malerei hat ihren ganz eigenen Blick auf Deutschland. Dazu gehört auch das Interesse an Märchen und dem Wald als romantisch konnotiertem Ort. Seine Bilder, die oft Kinder und Jugendliche darstellen, besitzen bei allem Humor ein unheimliches Moment, zumal sie nicht selten mit Tod, Drogen und Halluzinationen zu tun haben. Ab 25. August ist seine Ausstellung "Postcards from the Edge" im Düsseldorfer Malkasten zu sehen, und im Oktober zeigt Lehr Zeitgenössische Kunst in Köln "Tales of Trust".

www.christopher-winter.com Wilhelm Werthern



Marcus Weber

Der Bildhauer und Maler Marcus Weber lebt und arbeitet in Berlin. In seiner Malerei, die den Vielleser verrät, mischt er Realistisches mit Fantastischem und Groteskem. In jüngster Zeit ist der Kreuzberger Kiez rund ums Kottbusser Tor immer wieder Gegenstand seiner Malerei. Zu Marcus Webers künstlerischer Arbeit gehört auch seine Tätigkeit als Kurator: Bis zum 18. Juli ist die Gruppenausstellung "Pamphile Show" in Lena Zieses Berliner Ausstellungsraum Jet (www.j-e-t.org/?aktuell) zu sehen, an der auch die beiden Kuratoren Marcus Weber und Gunter Reski mit zwei eigenen Arbeiten vertreten sind. Für die Abbildungen danken wir dem Künstler. www.mw3000.de.

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Ulrike Dornis

geboren 1966 in Leipzig, absolvierte eine Ausbildung zur Stuckateurin, bevor sie ab 1986 in Leipzig Malerei studierte. Nach Aufenthalten in Kairo und Chicago lebt und arbeitet sie seit 1999 in Berlin.

Wir zeigen Bilder, die in den letzten Jahren entstanden sind - Ölmalerei, Ornamentik, Stillleben. Dornis setzt sich mit diesen Gattungen ironisch auseinander: Das Obst, klassischer Gegenstand von Stillleben, kann bei ihr durchaus noch in Folie verpackt sein, und ebenso malt sie - oft erst auf den zweiten oder dritten Blick erkennbar und gänzlich unklassisch - lakonische Stillleben von Unterwäsche oder Badelatschen, von Dingen also, die sie in ihrer unmittelbaren Umgebung findet. Es geht ihr dabei um den genauen Blick, die Stofflichkeit ihrer Gegenstände und das Ausloten der Möglichkeiten von Malerei. Damit erteilt sie der großen malerischen Geste eine Absage.

Für die Abbildungen danken wir der Künstlerin.
www.ulrikedornis.de

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Ola Kolehmainen

Der finnische Fotograf Ola Kolehmainen gehört zu den wichtigsten Repräsentanten der Helsinki School. Er fotografiert Gebäude und ist doch kein klassischer Architekturfotograf. Vielmehr hinterfragt er mit seinen Fotos, was und wie wir sehen. So ist auf den ersten Blick das Verhältnis von Zwei- und Dreidimensionalität unklar. Je länger man seine großformatigen Arbeiten betrachtet, desto mehr entdeckt man. Sein künstlerischer Ausgangspunkt ist der Minimalismus: "Minimalismus ist meine große Liebe. Ich überführe Raum in die Fläche, damit aus ihr schließlich wieder Raum wird." Aber er geht weit darüber hinaus, integriert in seine Arbeiten auch die Umgebung, oft als Spiegelung; und wenn etwa Pflanzen oder Vögel mitfotografiert werden, hat dies durchaus Witz.

Bis zum 25. Mai hängen seine Arbeiten in der Ausstellung "Auf der Spitze des Eisbergs" im Kunstmuseum Wolfsburg. Am 29. Mai wird eine Einzelausstellung im Nationalen Fotomuseum Kopenhagen eröffnet. Für die Abbildungen danken wir dem Künstler. www.helsinkischool.fi/ Wilhelm Werthern



FUTURE7

ist das Berliner Künstlerduo Nikolai von Rosen, geboren 1967, und Florian Wojnar, geboren 1972. Die hier vorgestellten Collagen aus dem Künstlerbuch "FUTURE7, eine Collage", das im April 2009 bei Argobooks erscheint, stammen hauptsächlich aus dem Projekt "Kollektor" und machen einen wichtigen Aspekt ihrer Arbeitsweise deutlich: Es geht ihnen immer wieder um die Entmystifizierung der Figur des Künstlers - die Arbeiten sind immer das Ergebnis der Zusammenarbeit des Duos mit vielen anderen und der Auseinandersetzung mit der (Kunst-)Welt.

Ihr Begriff der künstlerischen Praxis ist sehr weit gefasst, sie malen, zeichnen und collagieren, machen aber auch Bücher, lehren, kuratieren und sammeln - und daraus wiederum ergab sich ein Interesse an anderen Sammlungen, die sie als Kuratoren in ihrem Projektraum ausstellten. Diese Inszenierungen wollten sie wiederum als eigenständige Kunstwerke und Porträts der Sammler beziehungsweise Sammlungen verstanden wissen. Deshalb sind in ihren höchst vielschichtigen Arbeiten ganz selbstverständlich viele Werke anderer Künstler integriert: www.future7.de.

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Eva von Platen

1965 in Frankfurt am Main geboren, Professorin an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg, macht Zeichnungen, Collagen und Filme. Ihre Zeichnungen wirken wie rasch hingeworfene Skizzen oder Notizen, sie sind spielerisch, lakonisch und sehr komisch. Viele sind bearbeitete, manche auch unbearbeitete Fundstücke aus Werbung und gängiger Unterhaltung: Alltagsmüll, den sie in neue überraschende Kontexte stellt, die seine Banalität schockartig entlarven. Dabei sind die Arbeiten keineswegs oberflächlich; vielmehr verweisen sie auf Philosophie, Psychologie und Kunsttheorie, aber sie sind eben nie bierernst.

Bis zum 17. April 2009 sind ihre Zeichnungen und Filme in der Berliner Galerie und Buchhandlung Barbara Wien zu sehen, der wir für die Abbildungen danken (www.barbarawien.de).

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Cynthia Girard

Ihre meist großformatigen Bilder zeigen traumähnliche Welten. Der monochrome Hintergrund wird durch Stoffe, Tapeten und Möbel strukturiert, dazu kommen Vögel, Mäuse, Würmer und Insekten. Die unklare Perspektive und die Flächigkeit der Bilder lassen an Kinderbuchillustrationen denken, ebenso an Surrealismus (als Parodie?) und die frühe Moderne. Die Bilder der 1969 geborenen Malerin erzählen Geschichten, die rätselhaft bleiben. Es ist uns überlassen, uns darin zurechtzufinden und sie zu entschlüsseln.

Bis zum 14. März sind ihre Bilder und Installationen in der Berliner Galerie September zu sehen und vom 30. April bis 17. Mai im Künstlerhaus Bethanien in Berlin. Für die Abbildungen danken wir der Galerie September.

www.september-berlin.de

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Oliver Feist

Der 1970 geborene Fotograf lebt und arbeitet in Berlin. Seine Arbeiten, oft in Gruppen zusammengefasst, zeugen von einem sehr genauen Blick für den gesellschaftlichen Alltag und immer wieder auch von einem Sinn für Komik. Er legt sich in der Auswahl seiner Motive keine Beschränkungen auf, doch selbst in den Fotos, die keine Personen zeigen, steht der Mensch im Mittelpunkt. Man fragt sich beispielsweise bei den lakonischen Architekturfotografien, wer wohl an diesen Orten lebt. Feists Kompositionen sind von der klassischen Fotografie beeinflusst (er verweist auf Elliot Erwitt), aber er entwickelt seine ganz eigene Bildsprache. Verblüffenderweise sind auch seine Gruppenbilder, die oft bis ins Detail inszeniert wirken, tatsächlich Momentaufnahmen. Es komme eben auf den richtigen Augenblick an. Fotografieren habe viel mit Nichtfotografieren zu tun, erklärt der Künstler. www.oliverfeist.de

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Paul Pretzer

Die Bilder des jungen Malers, der 1981 in Paide (Estland) geboren ist und in Dresden lebt und arbeitet, machen auf den ersten Blick einen kindlichen, ja harmlosen Eindruck. Doch wird man schnell gezwungen sein, die erste Wahrnehmung kritisch zu hinterfragen. Sieht man genauer hin, entfaltet diese symbolisch aufgeladene Malerei eine rätselhafte, geradezu verstörende Wirkung.

Wie ist die Obsession des Künstlers mit Socken zu deuten, bei denen der linke meist ein Loch hat? Wie soll man die durchtrennten Körper und abgetrennten Gliedmaßen interpretieren? Warum erscheinen die grotesken Figuren alle so einsam? In seinen Bilderfindungen benutzt der Künstler Versatzstücke aus Comics und Popkultur, auch zahlreiche Verweise auf die Kunstgeschichte lassen sich finden. Ebenso assoziiert man auch die grellen Bildwelten Jeff Koons, nur sind bei den bunten Figuren von Paul Pretzer das Grauen und der Abgrund nie weit.

Für die Abbildungen danken wir der Galerie Hamish Morrison, Berlin: www.hamishmorrison.com

Wilhelm Werthern


Michael van Ofen

Die Kunst dieses Malers ist vor allem eine Kunst des Weglassens. Die Bildelemente sind auf sparsamste Weise angedeutet: Einige wenige Linien und Farbflächen, und doch sieht man als Betrachter ungeheuer viel. Dies trifft paradoxerweise vor allem auf die Porträts zu. Die reduzierten Bilder bewegen sich auf einer feinen Linie zwischen Abstraktion und Figuration und lassen viel Raum für eigene Vorstellungen. Diese Malerei ist nicht nur Darstellung - die Abbildung bezieht sich nicht auf die gegenständliche Welt -, sondern auch Nachdenken über Malerei: Der Künstler spricht manchmal sogar von "Kopieren" und orientiert sich an Vorlagen vor allem aus dem 19. Jahrhundert. Daher wirken seine Bilder auf eigentümliche Art vertraut.

Michael van Ofen ist 1956 in Essen geboren, er lebt und arbeitet in Düsseldorf. Bis zum 29. November zeigt die Johnen Galerie in Berlin seine Arbeiten. Für die Abbildungen danken wir der Galerie Sies + Höke in Düsseldorf: www.sieshoeke.com Wilhelm Werthern


Peter Aerschmann

ist 1969 in Freiburg (Schweiz) geboren und befasst sich hauptsächlich mit Video- und Computerinstallationen. Er filmt sein Bildmaterial in Alltagssituationen, löst die bewegten Bilder aus ihrem Zusammenhang und montiert sie dann auf dem Computer neu. Das Ergebnis sind deutlich konstruierte, geradezu hyperrealistische Wirklichkeiten.

Die Figuren in seinen interaktiven Installationen bewegen sich und kommen nicht vom Fleck, gehen aufeinander zu und bleiben doch einsam, was eine melancholische Komik erzeugt. In den Loops sind sie in ihrem Alltagstrott gefangen. Das Surreale und Absurde lässt an Beckett oder Marthaler denken.

Aerschmann hat in Basel und Bern studiert und lebt und arbeitet in Bern. Als Teil des Europäischen Monats der Fotografie sind seine Arbeiten ab 2. November in der Berlinischen Galerie in Berlin zu sehen.
www.aerschmann.ch Abbildungen: Courtesy Galerie Anne de Villepoix, Paris. Wilhelm Werthern


Ronald de Bloeme

Auf den oft grell-bunten Malereien des in Berlin lebenden niederländischen Künstlers Ronald de Bloeme (geboren 1971) kommen uns immer wieder Elemente bekannt vor, ohne dass wir sie sofort zuordnen könnten. Das kann verunsichern. Bei einem roten Stern mag man zuerst an die Fahne eines kommunistischen Landes denken, bevor man ihn als Logo einer Biermarke erkennt. Verpackungen und Logos (Amtrak, Zigarettenmarken et cetera) aus der alltäglichen Warenwelt werden manipuliert zu quasi abstrakter Malerei. Der Maler eignet sich an, was er sieht, und bezeichnet sich selbst als "visuellen Piraten". Die gemalten Collagen lassen auch an Architektur, Strichcodes, Fernsehtestbilder und Zensurbalken denken. Die meist großen Formate entfalten ihre volle Wirkung erst, wenn man vor ihnen steht. Bis zum 13. Oktober sind Arbeiten von de Bloeme in der Berlinischen Galerie in Berlin zu sehen. Für die Abbildungen danken wir der Hamish Morrison Galerie, wo de Bloeme ab dem 5. September in der Gruppenausstellung "Edges of Darknesss" vertreten ist. www.hamishmorrison.com Wilhelm Werthern


Rosa Lachenmeier

Rosa Lachenmeier bringt in ihren Arbeiten Fotografie und Malerei zusammen, ein Vorgehen, das die Schweizer Künstlerin als "Oszillieren" zwischen den beiden Medien bezeichnet. Dabei dient die Fotografie nicht einfach als Vorlage oder Untergrund. Die Übergänge zwischen Fotografie und Malerei sind häufig gar nicht so einfach zu erkennen. Die Grenze zwischen Konkretem und Abstraktion verwischt. Und es geht oft um das Unterwegssein. So entstehen Bilder, die sowohl Ruhe als auch Dynamik ausstrahlen.

Vom 8. bis 17. August sind ihre Arbeiten in der Gruppenausstellung Subkulinaria an der Deutzer Brücke in Köln zu sehen (www.subkulinaria.de). Für die Abbildungen danken wir der Künstlerin. Weitere Informationen unter http://rosa.lachenmeier.net. Wilhelm Werthern


Wiebke Bartsch

In ihrer Kunst setzt sich Wiebke Bartsch mit dem Alltag auseinander, und so arbeitet sie mit Alltagsmaterialien. Was zuerst niedlich erscheint, wird beim genaueren Hinsehen abgründig: Das gescheitelte Kind auf einer Schaukel wirkt alt und hoffnungslos ("Melancholie"), ein Mädchen sitzt wartend auf einer Theke, wird aber wohl nie abgeholt ("Pompons"). Das kahlköpfige, verkniffene Kind hat einen Teppichklopfer bei sich ("Kind"). Alle strahlen Hilflosigkeit, Verlorenheit, Einsamkeit aus. Die enge Mutter-Kind-Beziehung gerät zum Albtraum, oder die Frau wird einerseits auf ihre Aufgabe als Milchgeberin reduziert, bedient aber gleichzeitig mit ihren schwarzen Puschenpantoffeln biederste Erotikvorstellungen ("Milch-traum"). Beim Betrachten dieser Arbeiten schaudert es einen, und man muss lachen. Das Lachen allerdings bleibt im Hals stecken. Ausstellung vom 13. April bis 30. August in der Galerie Egbert Baqué Contemporary Art in Berlin.
www.berlin-contemporary-art.com Wilhelm Werthern


Adam Adach

wurde 1962 in Warschau geboren. Zuerst hat er Veterinärmedizin studiert, ist dann aber 1989 nach Frankreich gezogen, um in Lyon und Paris Kunst zu studieren. Er lebt und arbeitet in Paris und Warschau. Sein Blick auf die eigene Heimat ist also ebenso von Vertrautheit wie von einer Außenperspektive geprägt.

Adach malt nach fotografischen Vorlagen und benutzt seine Digitalkamera wie ein einfaches Skizzenbuch, verwendet aber auch Bilder aus Familienalben, Büchern und Zeitschriften, die er oft auf Flohmärkten entdeckt. Auch dadurch entsteht die kühle Distanz, die seine Malerei auszeichnet. Als vorzüglicher Beobachter der Gesellschaft setzt er sich auch mit der Geschichte Polens auseinander und reflektiert die rasanten Veränderungen und Schwierigkeiten des Landes in seinen Bildern - vom problematischen Umgang mit der Vergangenheit bis hin zum erstarkenden Nationalismus und der Verunsicherung in einer Zeit des Wandels.

Für die Abbildungen danken wir der Galerie Arndt & Partner, Berlin/Zürich (www.arndt-partner.com). Wilhelm Werthern


Frank Nitsche

Frank Nitsche wurde 1964 in Görlitz geboren. Von 1988 bis 1995 hat er an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden studiert. Er sammelt seit Jahren Fotos aus Zeitschriften und Magazinen und nutzt dieses Archiv als Inspirationsquelle für seine abstrakten Arbeiten - er zitiert die Aufnahmen und übersetzt sie in eine eigene Formensprache.

Seine Bilder wecken Assoziationen an avantgardistische oder utopische Architektur. Sie wirken gleichzeitig ernst und komisch: Man denkt an Räume mit schiefen Böden, absurde Flugkörper, Zugfenster, Landschaften, Matroschkas oder Klettergerüste. Die Titel - stets eine Kombination aus Zahlen und Ziffern - sind nicht dechiffrierbar und verhindern jede Festlegung auf eine bestimmte Interpretation. So bleiben die Bilder höchst suggestiv und überlassen es dem Betrachter, sie zu deuten - oder eben auch nicht.

Frank Nitsche lebt und arbeitet in Berlin. Bis zum 14. Juni sind seine neuesten Arbeiten in der Galerie Max Hetzler in Berlin zu sehen. Für die Abbildungen danken wir der Galerie Gebrüder Lehmann, Dresden und Berlin (www.galerie-gebr-lehmann.de) (S. 3, 20) und der Galerie Max Hetzler, Berlin (www.maxhetzler.com) (S. 1, 10, 11, 21).

Wilhelm Werthern


Bertram Hasenauer

ist 1970 in Saalfelden, Österreich, geboren, hat in Wien, Berlin und London studiert und lebt in Berlin. Seine Zeichnungen und Malereien wirken wie Porträts. Doch sie stellen eher Typen dar, die zu kennen man oft das Gefühl hat. Vor allem sind sie Projektionsflächen für den Betrachter, ohne jedoch oberflächlich zu wirken. Trotz ihrer scheinbaren Altmeisterlichkeit - sie erinnern manchmal an Porträts oder anatomische Zeichnungen der Renaissance - sind sie absolut zeitgenössisch.

Bis zum 15. April sind seine Arbeiten noch im "Studio, Sassa Trülzsch" in Berlin zu sehen, außerdem in der Ausstellung "Menschen und Orte" im Kunstverein Konstanz (bis zum 29. Juni) und im Österreichischen Kulturform Berlin (vom 28. April bis 30. Mai).
www.sassatruelzsch.com

Wilhelm Werthern


Urszula Martini

Urszula Martini ist 1955 in Danzig geboren, im Rheinland aufgewachsen und hat in Düsseldorf Fotografie und Grafikdesign studiert. Ihre Architekturfotografien sind von formaler Strenge, ihr Gefühl für außergewöhnliche Perspektiven und ihre Bildausschnitte ermuntern den Betrachter, sich auch auf Altbekanntes neu einzulassen. Ihre Bilder sind voller Bezüge auf die Fotografiegeschichte, so fühlt man sich beispielsweise oft an die ungarische Avantgardefotografie erinnert. Ihre Berlinaufnahmen bezeugen die Schönheit auch solcher Bauten, die man allzu leicht als faschistische Architektur abtut. Dabei sind auch sie ästhetischer Ausdruck der Moderne. Für die Abbildungen danken wir der Künstlerin und der Galerie Anna Augstein Fine Arts, Berlin: www.augstein-finearts.com. Wilhelm Werthern


Anton Henning

ist 1964 in Berlin geboren und arbeitet in Manker und Berlin. Sein Werk ist ungeheuer vielseitig und umfasst Zeichnungen, Fotografie, Video, Musik, Malerei, Bildhauerei, Collage und ganze Interieurs, die er dann wiederum auch malt. Es geht ihm um eine Art von Gesamtkunstwerk. Dafür bedient er sich frei in der gesamten Kunstgeschichte, vermischt die unterschiedlichsten Stile und zitiert dabei auch häufig sich selbst. Anhand von Brüchen und Gegensätzen reflektiert er so die Geschichte der Malerei und seine eigene Geschichte und nimmt witzig, höchst ironisch und ausgesprochen kritisch ein bürgerliches Kunstverständnis aufs Korn.

Am 1. März 2008 wird eine umfangreiche Ausstellung seiner Werke in der Galerie Arndt & Partner in Berlin eröffnet, die bis zum 19. April 2008 zu sehen ist. Für die Abbildungen danken wir dem Künstler und der Galerie Arndt & Partner, Zürich/Berlin.
www.arndt-partner.com

Wilhelm Werthern


Tal R

Tal R ist 1967 in Israel geboren. Er hat an der Billedskolen und an der Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen studiert, wo er auch lebt und arbeitet.

Seine Kunst macht auf den ersten Blick gute Laune und erinnert an Bilder von Kindern. Die großen Farbflächen und die Collagentechnik verstärken diesen Eindruck noch, ebenso wie das Ornamentale und auch die Einbeziehung der Rahmen, die oft ebenfalls bemalt sind. Dabei haben viele seiner Werke etwas Rätselhaftes - man weiß oft nicht recht, worum es eigentlich geht, fühlt sich eingeladen, mit einem offenen, assoziativen Blick an die Bilder heranzugehen.

Vom 20. Januar bis zum 6. April sind Arbeiten von Tal R im Bonnefantenmuseum in Maastricht zu sehen.

Für die Abbildungen danken wir der Galerie Contemporary Fine Arts, Berlin.
www.cfa-berlin.de

    Wilhelm Werthern


Nikola Irmer

ist 1970 in Starnberg geboren und hat in San Francisco, Glasgow und New York studiert. Sie malt vorwiegend Menschen. Ihre Modelle sucht sie per Kleinanzeige oder über Aushänge an Schulen. Entstanden sind so Werkgruppen wie "Mauerpark", "Horst" und "Boys", in echter Zusammenarbeit zwischen Modellen und Malerin, die oft sehr langfristig ist: Bei "Horst" dauerte sie mehrere Jahre. Die Bilder entstehen in unterschiedlichen Situationen, von Skizzen in der Natur bis hin zu sorgfältigen Porträts im Atelier, in denen die Dargestellten viel von sich preisgeben, ohne vorgeführt zu werden.

Ausstellungen: ab 17. Januar bei "Apartment" in Manchester, 16. März bis 29. Juni Gruppenausstellung im Kunstverein Konstanz. Abbildungen courtesy of Axel Lapp Projects, Berlin. www.nikolairmer.com

Wilhelm Werthern


Chi Peng

Der chinesische Künstler Chi Peng ist 1981 in Yantai (Provinz Shandong) geboren. Von 2001 bis 2005 studierte er an der Central Academy of Fine Arts in Peking. In seinen surrealistisch anmutenden digital bearbeiteten Fotografien erscheint er meist selbst - multipliziert nackt durch die Stadt rennend, libellenartig fliegend, in den jüngsten Arbeiten von 2007 verkleidet und geschminkt als König der Affen aus dem Epos "Reise nach Westen". Bei den Arbeiten aus der Serie "Sprinting Forward" bleibt durchaus unklar, ob die Männer fliehen oder vielmehr optimistisch in eine neue Zukunft laufen. Auf jeden Fall ist es ein Bruch mit der Vergangenheit und eine durchaus kritische Auseinandersetzung mit dem modernen China, wobei auch tabuisierte Themen wie Homosexualität ("I Fuck Me") nicht ausgespart werden. Besonders reizvoll sind seine oft ungewöhnlichen Formate, die an klassische chinesische Bildrollen erinnern.

Für die Abbildungen danken wir Alexander Ochs Galleries Berlin / Beijing: www.alexanderochs-galleries.de

Wilhelm Werthern


Matthias Mansen

Kunst ist auch Arbeit - das wird in den Holzschnitten von Matthias Mansen, 1958 geboren und in Berlin lebend, besonders deutlich. Dazu gehört auch, dass man den Bildern das verwendete Material durchaus ansieht: die Maserung des Holzes wie auch die Spuren des Werkzeugs. Seit über zwanzig Jahren konzentriert Mansen sich ausschließlich auf den Holzschnitt, der es ihm ermöglicht, die Entwicklung eines Bildes transparent zu machen - im Gegensatz zur Malerei, wo übermalte Flächen eben nicht mehr sichtbar sind. Mansen arbeitet dabei oft nach dem Prinzip der Collage. So ist "Seestück 5" (Seite 12) durchaus eine eigenständige Arbeit, taucht aber dann auch als Teil von "Badende" (Seite 13) wieder auf. Noch deutlicher wird das Prinzip in der Serie "Badezimmer" (Seite 4 und 5): Zuerst sehen wir das leere Bad, aber dann werden immer mehr Tätigkeiten gezeigt, ohne dass die Serie dabei auf narrative Elemente beschränkt bleibt.

Mansens Arbeiten sind noch bis 4. No- vember 2007 in den Kunstsammlungen Chemnitz und bis 10. November 2007 in der Galerie Schlichtenmaier im Schloss Dätzingen in Grafenau zu sehen, anschließend in der Galerie Werner Klein in Köln.
www.matthiasmansen.com Wilhelm Werthern


Isabel Schmiga

ist zwar vor allem Bildhauerin, behaut aber keine Steine. Stattdessen zeichnet, klebt, näht und bastelt sie, und das Ergebnis sind wunderbar subversive Skulpturen und Installationen, deren hintersinniger und nicht selten bösartiger Witz, der auch viel mit Sprache zu tun hat, sich meist erst bei genauerer Betrachtung erschließt. Ihre Arbeiten sind oft spielerisch, aber nie verspielt. Auf gänzlich unaufdringliche Weise ist das, was man neudeutsch Gender-Fragen nennt, ein Schwerpunkt ihres Interesses - bei den hier gezeigten hoch aufgerichteten Krawatten ist das besonders klar, aber auch in ihrer Arbeitsweise und ihrer Materialauswahl: falsche Wimpern, Nagellack, Putzeimer und Ähnliches. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Basel und Berlin. www.schmiga.de Wilhelm Werthern


Claus Goedicke

Der Fotograf Claus Goedicke, 1966 geboren, inszenierte und fotografierte in den Neunzigerjahren Obst, Gemüse und Plastikbehälter. Seine neuesten Arbeiten sind Tapeten, in denen Körperteile dekorative Muster bilden; dahinter sind alle möglichen anderen Bilder zu sehen, deren Herkunft unklar ist. Einige scheinen Familienfotos zu sein, andere stammen offensichtlich aus Zeitschriften, wieder andere wirken wie Fundstücke. Dabei wird unsere Wahrnehmung auf die Probe gestellt: Das Vergnügen an den schönen Mustern mischt sich mitunter mit einem mulmigen Gefühl, wenn wir erkennen, woraus sie bestehen. Weitere Informationen bei der Galerie Fiedler Contemporary in Köln unter: www. ulrichfiedler.de  Wilhelm Werthern


Axel Geis

1970 in Limburg geboren, malt Menschen, und doch sind seine Bilder keine Porträts. Sie entstehen nach Vorlagen: Bildern aus dem Familienalbum, aber auch Filmstills. Die Figuren sind allein gestellt, aus dem Zusammenhang gerissen, und meist blicken sie weder den Betrachter noch, im Fall der Paarbilder, einander an. Die gelegentlich unklare Perspektive, der fehlende Kontext (auch die Titel helfen hier nicht weiter) und die oft nur angedeuteten Gesichter geben den Bildern etwas Rätselhaftes, das den Betrachter nicht so schnell wieder loslässt. Anfang 2008 findet eine umfangreiche Ausstellung von Axel Geis' Bildern in der Kunsthalle Mannheim statt. Für die Abbildungen danken wir der Galerie Jan Wentrup, Berlin.
www.janwentrup.de Wilhelm Werthern


Arturo Herrera

1959 in Caracas, Venezuela geboren, ist ein besonders vielseitiger Künstler: Sein Werk umfasst Collagen, Skulpturen, Fotografien und Wandmalereien. Die Grenzen zwischen den verschiedenen Gattungen sind dabei fließend; so enthalten die Collagen oft Malerei, und oft haben sie etwas dreidimensionales, fast bildhauerisches, da die Schichten, aus denen sie bestehen, sichtbar bleiben.
Herreras großes Thema ist die Abstraktion, der aber immer konkrete Formen, oft auch aus der Popkultur, zugrunde liegen. Seine Arbeiten entwickeln einen starken Sog, lehren uns das Schauen, verschließen sich aber jeder offensichtlichen Interpretation. Herrera lebt und arbeitet in New York und Berlin. Abbildungen des Künstlers mit Genehmigung der Galerie Max Hetzler, Berlin, und der Sikkema & Jenkins Gallery, New York. Weitere Informationen unter: www.maxhetzler.com Wilhelm Werthern


Juan Uslé

Der Spanier Juan Uslé, geboren 1954 in Santander, ist sowohl Maler als auch Fotograf. In seiner abstrakten Malerei sind immer wieder konkrete Elemente zu finden, und in seiner Fotografie wird der Blick des Malers sehr deutlich. Seine Wahrnehmung ist immer geprägt von seinem malerischen Denken in Flächen, Farben und Mustern. In der Malerei sind räumliche Perspektiven angedeutet und verschwinden dann wieder. Die oft leuchtenden Farben und abstrakten Formen schaffen eine eigene poetische Sprache. Uslé lebt und arbeitet in New York und Nordspanien. Vom 12. Mai bis zum 30. Juni ist seine Malerei in einer Ausstellung in der Galerie Thomas Schulte in Berlin zu sehen. Die Vernissage ist am 11. Mai.
www.galeriethomaschulte.de

Wilhelm Werthern


Iris Schomaker

geboren 1973 in Stade und ausgebildet in Norddeutschland und Norwegen, beschäftigt sich ausschließlich mit Malerei auf Papier. Ihre lakonisch und sehr androgyn wirkenden Porträts, die den Betrachter oft direkt anblicken und dabei fast abwesend zu sein scheinen, wirken auf sehr entspannte und doch beunruhigende Weise erotisch. Trotz der meist sehr großen Formate ist diese Malerei nie wuchtig. Ihre Landschaftsbilder sind sogar so zart, dass sie im Zeitungsdruck nicht ihre Wirkung entfalten können und deshalb hier nicht zu sehen sind.

Wilhelm Werthern


Laurenz Berges

Der 1966 in Cloppenburg geborene und jetzt in Düsseldorf lebende Fotograf Laurenz Berges zeigt verlassene Räume und Orte. Zu sehen sind auf seinen Fotografien die Spuren der Menschen, die in diesen Räumen gelebt haben - seien es nun Soldaten in den einstigen Kasernen der Roten Armee in Ostdeutschland oder Dorfbewohner in Nordrhein-Westfalen, die wegen des Braunkohletagebaus ihre Häuser verlassen mussten.

Berges' Fotografien fordern und belohnen den genauen Blick. Besonders deutlich ist das beim Bild auf Seite 1 dieser Ausgabe: Erst beim genauen Hinsehen wird klar, dass dies keineswegs eine Winterlandschaft mit mediterranem Himmel ist. Wer sich auf diese reduzierten Bilder einlässt, macht alle möglichen Entdeckungen - und malt sich aus, wie die Menschen in diesen Räumen gelebt haben.

Noch bis zum 7. April sind seine Fotografien in der Galerie Wilma Tolksdorf, Berlin zu sehen.
www.wilmatolksdorf.de                     Wilhelm Werthern


Henrik Schrat

Henrik Schrat ist 1968 in Greiz geboren und hat in Dresden und London studiert. Er setzt sich mit den Themen Arbeit und Wirtschaft auseinander und stellt dabei die Frage, was heute Arbeit eigentlich ist, wer sie macht und wer von ihr wie profitiert. Im Kern geht es dabei auch um den Widerspruch von Autonomie und Selbstvermarktung, nicht nur künstlerischer Arbeit, sondern von Arbeit generell. Er setzt ein breites Spektrum von Medien ein: von Skulptur über Cartoons bis hin zu Collagen. Dabei spielt er mit alten Formen wie Schattenriss oder Laubsägearbeit, mit Kunst und (Kunst-)Handwerk. "Kunst geht ja um was. Kunst geht nicht nur um Kunst", sagt Schrat.

Ausstellung: "Bräunungsabsicht und Entzugserscheinung", Double Wall Projects 03, Ludwig Forum für Internationale Kunst, Aachen (bis September 2007)
www.hen rikschrat.de Wilhelm Werthern


Akbar Behkalam

Der aserische Maler Akbar Behkalam wurde 1944 im iranischen Täbris geboren, studierte Kunst in Täbris und Istanbul und lebt seit Ende der 1970er-Jahre in Berlin. Die verwischten Farbimpressionen seiner Bilder lassen sich als Ausdruck des prekären Exildaseins sehen. Zuletzt erschien: "Grenzen überschreiten. Crossing Borders", Berlin (E. A. Seemann Verlag) 2004. Behkalam hat keine eigene Homepage. Mehr zu sehen unter: azgallery.org/artgallery/artists/behkalam.akbar-26/behkalam.akbar/behkalam_akbar.html


Gabriel Orozco

Der mexikanische Maler, Fotograf und Skulpteur, geboren 1962, erhielt 2006 den "blueOrange"-Preis. Orozco, der, so die Jury, "mit einem sehr breiten Spektrum an Arbeiten unsere Wahrnehmung von Realität auf verschiedenste Weise herausfordert", lebt in New York, Paris und Mexiko-Stadt. Seine jüngste Arbeit, "Samurai's Tree Invariant", ein Ensemble von Form und Farbe auf 672 Blättern, ist bis 28. Januar im Kölner Museum Ludwig zu sehen.
Copyright: Gabriel Orozco. Bilder auf Seite 3, 5, 17: Courtesy Marian Goodman Gallery, New York; Seite 1: From a portfolio with eight artists, produced by Carolina Nitsch for the Merce Cunningham Dance Company, New York. (www.blueorange. bvr.de und mariangoodman.com/mg/nyc.html)


Efiaimbelo

geboren um 1925 in Androka auf Madagaskar, hat in seinem Werk die Tradition der Grabskulpturen seines Landes fortgesetzt und kommentiert den Einbruch der Moderne in den Alltag. Seine Skulpturen sind seit Jahren im Rahmen der Contemporary African Art Collection vertreten. Efiaimbelo starb 2006.

Katalog: "African Art Now - Masterpieces from the Jean Pigozzi Collection", Merrell (Houston) 2003. Aktuelle Ausstellung: "100 % Africa", Guggenheim Museum (Bilbao), 12. Oktober 2006 - Februar 2007.

www.caacart.com/html/efiaimbelo_frameset.html

Courtesy: CAAC, Geneva. © Efiaimbelo


Wang Qingsong

ist 1966 in der chinesischen Provinz Heilonjiang geboren und absolvierte die Sichuan Academy of Fine Arts. Seit 1993 lebt er in Peking. Seine Bilder sind derzeit in Durham (Nasher Museum of Art), New York (Museum of Photography) und Frankfurt am Main (Museum für angewandte Kunst) zu sehen.

Weitere Informationen unter: www.wang qingsong.com. Siehe auch Katalog: "Wang Qingsong", hg. Albion, London (Hatje Cantz) 2006.
© für alle Abbildungen: Wang Qingsong und Albion Gallery, London.


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