Le Monde diplomatique
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NEU: Die aktuelle Ausgabe im tazshop Die nächste Ausgabe von LE MONDE diplomatique liegt am 14.11.2014 der taz bei. Ab dem 13.11.2014 gibt es sie separat am Kiosk oder im tazshop

Mittelschicht und Revolution

Mit Tee und Empathie

Eine Reise durch die Protestcamps von London bis Santiago de Chile

von Raffael Kempf

Amir Imran, der von Anfang an dabei war, führte uns durch das Occupy-Camp vor der St Paul's Cathedral in London.1 "Mein Zelt steht da hinten, neben der Technikzentrale mit dem Internetanschluss. Wir sind ja ständig in Kontakt mit den anderen Occupy-Gruppen. Außerdem posten wir täglich auf Facebook. Das hier ist die Küche. Da holen wir uns Frühstück, Mittag- und Abendessen. Und hier ist das 'Tea and Empathy'-Zelt. Da steht sogar ein Klavier drin, und es gibt kostenlos Tee und Kaffee".

Am 28. Februar wurde das Zeltlager von der Polizei geräumt. Seit dem 15. Oktober 2011 hatte Amir Imran Tag und Nacht in dem Protestcamp im Herzen Londons verbracht und es nur zweimal in der Woche verlassen, um an der Uni seine Seminare zu besuchen. Der 24-Jährige war damals neu in der Stadt. Er war erst ein paar Monate zuvor nach London gekommen, um sein Journalismusstudium abzuschließen. weiter »

Aufbruch der Kolonien

von Alain Gresh

Die kolonisierte Welt am Vorabend des Ersten Weltkriegs war im Hinblick auf ein mögliches Bündnis zwischen Arbeiterklasse und Mittelschicht in einer ganz anderen Situation als Europa. Eine Arbeiterklasse als solche gab es dort nicht und sozialistische Bestrebungen nur in Ansätzen; die Widerstandsgruppen gegen die Kolonialmächte wurden damals eher von traditionellen oder religiösen Führern geleitet. In Europa galten diese - zumal unter Sozialisten - meist als "feudalistische" oder "reaktionäre" Feinde des Fortschritts. weiter »

Das russische Zauberwort

Die liberale Opposition bekommt einen Namen

von Alexander Bibkow

Am 29. Februar 2012 verkündete Wladimir Putin kurz vor seiner umstrittenen Wiederwahl zum Präsidenten: "Die Mittelschicht wird schon bald die Mehrheit der Gesellschaft ausmachen." Diese soziale Schicht zwischen der allmächtigen Nomenklatura und einem marginalisierten Proletariat ist zur entscheidenden Zielgruppe für politische Reformen geworden. Seit den Jahren 1992/1993 spielte sie in den Vorstellungen der Vordenker beim Aufbruch in die postsowjetischen Ära eine doppelte Rolle: Zum einen sollte sie stabilisierend wirken und die Gegensätze zwischen verschiedenen sozialen Gruppen entschärfen, zum andern galt sie als die wichtigste Stütze der neuen politischen Machthaber im Kreml. weiter »

Die gespaltene Arabellion

Das Bündnis zwischen Arbeiterschaft und Mittelschicht hielt nur für einen kurzen Frühling

von Gilbert Achcar

Die Vorstellung ist nicht neu, und der Arabische Aufstand hat sie weitgehend bestätigt: Wenn der Widerstand gegen ein herrschendes Regime zu einer Massenbewegung wird, die der Wunsch nach demokratischem Wandel eint, verbündet sich oft ein Großteil der Mittelschicht mit den sozial Benachteiligten. weiter »

Der chinesische Blues

Die wachsende Mittelschicht will Veränderungen, aber keinen Aufstand

von Jean-Louis Rocca

Die neue Mittelschicht in China, zu der mittlerweile schon ein Viertel der Bevölkerung gehört, verfügt über ein angemessenes Einkommen, ohne reich zu sein. Manche Beobachter - vor allem die, die sich in den Medien zu Wort melden - betrachten sie als die einzige gesellschaftliche Kraft, die das Land demokratisieren könnte, weil man mit ihr sowohl Stabilität als auch das Versprechen auf politischen Wandel verbindet. Für Stabilität sorgen ihre schichtenspezifische Neigung zu Komfort, Ruhe und Besitz und ihre gemäßigte Haltung in sozialen Konflikten, die eher auf Verhandlung und Kompromiss als auf Gewalt setzt. Da es der Mittelschicht im Gegensatz zu den übrigen Gruppen der Gesellschaft in der Regel am besten gelingt, die eigenen Interessen zu verteidigen, traut man ihr auch am ehesten zu, dass sie innerhalb der Kommunistischen Partei einen Demokratisierungsprozess durchsetzen kann. weiter »